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Eigentlich möchte ich ja gelassen bleiben. Mich nicht aufregen. Mich nicht hervor tun. Nicht unbedingt den Kopf unten halten, aber möglichst immer alles relativ sehen. Abwägen. Und aus dem schwarz-weißen-Schubladen-Denken ausbrechen. Das Gesamtbild betrachten. Eigentlich…

Dennoch fällt es mir manchmal schwer. Erst neulich wieder. Man stelle sich vor: Ein ganz gewöhnliches Gespräch unter lieben Bekannten. Alltagsgeplänkel könnte man sagen. Gespräche über die Arbeit, das Wetter, das Wochenende. Und auf einmal fällt ein einziges, fast schon verächtlich ausgespucktes, Wort: Männer! Während mein Innerstes noch irritiert den Kopf schüttelt, erkennt ein anderer Teil von mir diesen Ton. Alarmanlagen mit ohrenbetäubenden Sirenen erklingen in Sekundenschnelle in meinen Ohren. „Jetzt bloß still sein! Nur nichts sagen…“ sagt eine Stimme in mir. „Bleib gaaanz ruhig!“. Wie eine Schallplatte in der Endlosschleife. Doch zugleich meldet sich eine zweite, sehr zornige, immer lauter werdende und auf Dauer kaum zu ignorierende Stimme in mir: „Warum eigentlich still sein? Warum nicht Partei ergreifen? Warum nicht zu dem stehen, woran Du glaubst?“

Während um mich herum zustimmende Ausrufe erklingen, laufen in meinem Kopf zeitgleich mehrere Filme der möglichen Zukunft ab: Wenn ich jetzt still bin, ist alles gut. Ich könnte stillschweigend lächeln, mich selbst dafür verachten, doch am Ende wäre alles rosarote Regenbogenwelt. Wir haben uns doch alle lieb. Wenn ich aber jetzt eingreife und sage: „Nicht alle Männer sind so.“ Dann hingegen beginnt es für mich richtig unangenehm zu werden. Auf einmal gelte ich als Männerverteidigerin. Stelle sich das einer vor! „Eine von denen“ höre ich sie förmlich stöhnen. Eine, die angeblich nicht für die Frauenrechte einsteht, denn „wie kann die nur!?“. Ist die Gruppe gemischt wird es erst recht gefährlich. Auf einmal werden die meisten still, während ich meine Wut heraus brülle. Und plötzlich sehe ich es, wie Gedankenwolken in einem SIMS-Spiel über den Köpfen meiner Freunde: „Feministin! Buhhhh!“

Feminismus ist ein schwieriges Thema (geworden). In letzter Zeit fühlt es sich immer weniger wie das an, wofür es eigentlich steht: Gleiche Rechte und Chancen für sowohl Männern als auch Frauen. Allerdings scheint sich der Begriff inzwischen als Synonym für die Sonderstellung der Frau bzw. der Nichtigmachung der Männer, wenn nicht gar für die Idee des Männerhasses, etabliert zu haben. Woran liegt das?

Viele Frauen scheinen zu denken, Männer seien „böse“. „Üble Machos“. Man solle sie alle meiden, denn sie seien doch „emotionslose Schweine“ – nicht zu vergessen „schwach, können sie doch keine Kinder zur Welt bringen“. Natürlich gibt es von dieser Medaille auch eine zweite Seite, werden wir Frauen ebenso oft verallgemeinert und als „zickige Tussen“, „heulsusige Hausfrauen mit nichts als Ärger“ oder „Blondinen, die nichts von Technik verstehen“ abgestempelt. 

Die Schubladen-Denkweisen beider Seiten macht mich unruhig. Warum diese Verallgemeinerung? Wann hören wir damit auf uns als Angehörige zweier unterschiedlichen Seiten zu betrachten und beginnen endlich damit, im Gegenüber einfach nur einen anderen Menschen zu sehen, der fühlt, denkt und (genau so wie wir!) sein eigenes Sorgen-Päckchen zu tragen hat? Wann lassen wir davon ab, den Feminismus zu beschimpfen bzw. ihn dafür einzusetzen uns Sonderrechte heraus zu nehmen? Machen wir uns damit nicht wieder selber schwach und erniedrigen uns dadurch selbst? Wir Frauen sind nicht geringer als Männer. Sind wir deshalb „besonders“ oder gar „besser“? Ich finde keineswegs. Wir sind einfach anders. Männer aber auch! Und was können sie uns wunderbar in den Arm nehmen!

Erst letzte Woche hat die wunderbare Emma Watson vor der UN eine Rede zum Thema „Feminismus“ gehalten und mich dazu bewegt auch hier darüber zu schreiben.

Bildquelle: unsplash

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Warum wird uns Frauen anerzogen, wir müssen emotional sein, nachgiebig, selbstlos-fürsorglich und zart, da wir sonst ja nicht mehr „gütig“ seien, wenn wir als Erwachsene dazu aufgefordert werden, mehr für uns selber einstehen? Warum müssen Männer konstant stark und dominant in ihrer Rolle als Versorger sein, wenn wir zugleich sagen, dass ersteres gar nicht stimme, zweiteres ganz schrecklich böse sei und drittens bitte auch uns das Recht zur Familienversorgung zustehe? Warum dürfen Männer nicht ihre Gefühle zeigen, genau wie wir Frauen, ohne sofort als „Memme“ zu gelten? Warum dürfen wir alle nicht einfach so sein, wie wir sind und sein wollen – ohne uns in irgendwelche Vorstellungen verbiegen zu müssen? Es ist diese Doppelmoral, die mich unendlich stört. Haben wir denn keinen Respekt voreinander? Oder liegt es vielleicht am Respekt vor uns selbst?

Wann kann ich endlich wieder in einem Gespräch über Männer und Frauen einfach einmal Partei ergreifen, ohne sofort das Gefühl zu haben nun ins Fettnäpfchen getreten zu sein? Wenn ich mit anderen Frauen über den Alltag rede und meinen Mann vor oben genannten Klischee-Stempeln verteidige, möchte ich keine bösen Blicke bekommen, die mich als „eine von DENEN“ strafen. Genau so wenig möchte ich mich hervor tun in meiner ach so großen Allmächtigkeit und Güte als Frau, wenn ich am Wochenende mit Freude einen Kuchen für meinen Mann gebacken habe oder dabei die Butter im Kühlschrank mal wieder als erste gefunden habe. Und das nur, weil ich zufällig mit einem X-Chromosom mehr auf die Welt gekommen bin.

Ich möchte im Urlaub meinen Mann herum kutschieren dürfen, damit er die Landschaft anschauen kann, während ich den Spaß meines Lebens habe, ohne wieder zu Hause von der fassungslosen Frage konfrontiert zu werden, warum ich mir das nur angetan habe und ob ich den Urlaub so überhaupt genießen konnte. Ich möchte zu Hause meine Socken gewaschen bekommen, einfach so, und mich trotzdem darüber freuen dürfen. Denn wer sagt schon, dass dies selbstverständlich sei? Ich möchte zusammen mit meinem Lieblingsmenschen die Wocheneinkäufe erledigen, weil es alleine nichtmal halb so schön ist, und gemeinsam vor dem Gemüseregal entscheiden, worauf wir denn heute Abend Lust haben. Ich möchte nicht mitleidig die Schulter geklopft bekommen, weil ich mit meinen knapp 30 Jahren „keine Mami bin“. Ich möchte unser gemeinsames (Abend-)Essen kochen – nicht weil ich muss, sondern weil ich Hunger habe, groß genug bin, selbst etwas daran zu ändern und mir das Kochen Spaß macht. Ich möchte meinem Mann Blumen kaufen, wenn mir danach ist, ohne schräg angeguckt zu werden, weil man „Männern doch keine Blumen schenkt“. Genau so wenig mag ich mich rechtfertigen müssen, wenn ich in meinem Lieblingskleid vor die Tür gehe, einfach weil ich Lust drauf habe. Ich möchte für mich selbst entscheiden, wie ich mein Leben lebe.

Und ich möchte zusammen mit meinem Mann am Wochenende in der Küche stehen und diese Schokokekse backen. Wunderbar köstliche, dunkle, mit Nüssen voll gepackte Schokokekse, die uns beide glücklich machen. Egal ob Mann oder Frau. 

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Das Rezept habe ich mir von Nigel Slater abgeguckt und ein kleines Bisschen abgeändert – laut ihm passen zu diesen Keksen spätsommerliche, dunkelrote Beeren. Und er hat natürlich Recht.

Dunkle Schokokekse mit Pistazien und Haselnüssen

Zutaten für ca. 2 Bleche

  • 200 g Bitterschokolade (mindestens 70% Kakaoanteil)
  • 200 g Zucker
  • 1 EL Vanillezucker
  • 75 g Butter
  • 1 große Prise Meersalz
  • 2 Eier
  • 150 g Mehl
  • 25 g gemahlene Nüsse (ich: Haselnüsse)
  • 25 g gehackte Mandeln (ich: Pistazien)
  • 1/4 TL Backpulver

Zubereitung

Den Backofen auf 180°C Ober- und Unterhitze vorheizen. Die Schokolade in einer Schüssel auf einem Wasserbad zum Schmelzen bringen. Nicht umrühren, aber ab und an die noch festen Schokostückchen in die bereits flüssige Schokomasse tunken.

Nebenbei die Butter mit dem Zucker und dem Vanillezucker schaumig schlagen. Nach und nach die Eier hinzu geben und kurz unterrühren. Die geschmolzene Schokolade zur Masse geben, verrühren. Das Mehl mit den Nüssen (wer mag, röstet sie vorher kurz in einer Pfanne an) und dem Backpulver vermischen und unter den Teig kneten.

Mit einem Esslöffel Portionen vom Teig abstechen und auf ein mit Backpapier belegtes Backblech geben. Mit reichlich Abstand voneinander setzen und die Teighäufchen auch nicht platt drücken – im Ofen laufen sie von selbst auseinander.

Je nach Größe für 8-12 Minuten backen (gehäufte EL-Portionen brauchen ca. 10-12 Minuten, kleinere Kekse etwas weniger). Die fertigen Kekse sind weich und sollten nach einer kurzen Abkühlzeit auf dem Backblech auf einem Kuchengitter komplett auskühlen.

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