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Es gibt Kochbücher, die bestechen durch wunderschöne Fotografien. Andere hingegen setzen auf eine poppige Aufmachung oder grafische Spielereien. Für mich müssen Kochbücher normalerweise Bilder enthalten. Denn gerade, wenn es schnell gehen muss, schaue ich mir lieber nur die Fotos der Gerichte an um schließlich mein eigenes Ding draus zu machen. Dennoch gibt es Kochbücher, die kommen ohne Bilder aus. Machen sie sogar fast überflüssig. Und überzeugen dennoch!

Eines dieser Kochbücher ist „La Cucina“ aus dem Callwey Verlag. Und das möchte ich Euch heute vorstellen.

Coverdaten vom Callwey Verlag zur Verfügung gestellt

Coverdaten vom Callwey Verlag zur Verfügung gestellt

Äußerliches und erster Eindruck:
Das Buch ist dick. Und schwer! Stolze 960 Seiten hat es und wiegt knapp 2 kg. Ein richtiger Brummer. Die Aufmachung ist rustikal-italienisch, sowohl außen als auch innen. Den Titel ziert ein leicht kitschig anheimelndes Cover, auch hier verzichtet man auf eine Bebilderung und setzt auf eine verzierte Schrift, die alles aussagt, was man wissen muss: Es handelt sich um ein rein italienisches Kochbuch mit Traditionsrezepten. Der Innenteil ist aus dickem Papier, das sich gut anfühlt, und wird mit drei Lesebändchen in den italienischen Flaggenfarben geziert. Die Schriftfarbe ist schwarz und als einziges Zierelement wird eine farbige Hervorhebung der Schrift in blau oder rot verwendet. Schlicht, aber praktisch.

Inhalt:
Nach einer kurzen Einleitung samt Auflistung der speziellen Zutaten und einer Übersichtskarte zu den einzelnen Regionen Italiens geht es gleich los mit dem Hauptteil des Buches: den Rezepten. Sie sind in acht Kapitel gegliedert und durch einen Reiter am Außenrand der Seiten schnell wieder zu finden: Antipasti, Pizza & Saucen, Suppen, Pasta, Polens & Reis, Fisch, Fleisch & Geflügel, Gemüse, Käse und schließlich Desserts. Dem Hauptteil folgen mehrere Indexe: Erst nach den italienischen Rezeptnamen, dann nach Regionen (innerhalb dieser nach den einzelnen Hauptkapiteln) und noch nach Hauptzutaten. Dem folgen noch drei freie Seiten mit Platz für Notizen am Ende des Buches.

Die Rezepte:
Die Rezepte sind Traditionsgerichte und das merkt man schnell. Die Bolognese zu den Tagliatelle (Seite 392) ist mehr ein Ragout statt einer Tomatensauce mit Fleisch, so wie es sein muss. Die Carbonara für die Spaghetti (Seite 382) wird ohne Sahne gemacht und es wird generell nicht am guten Olivenöl, Parmesan und frischen, größtenteils sehr schlichten und günstigen, Zutaten gespart. Zudem sind die Zubereitungen allesamt sehr simpel und zugleich raffiniert. Typisch italienisch. Die Rezepte werden innerhalb ihrer jeweiligen Kapitel nach deren italienischem Namen sortiert: Die Bauernsuppe („Cialda“) befindet sich demnach hinter der Sardellensuppe (Bagnun d’Anciö) – anfangs etwas ungewohnt, doch bald stört es nicht mehr, zumal man auch durch die mehrfachen Indexe am schnellsten sein gesuchtes Rezept findet. Immerhin ist das Buch knapp 1000 Seiten dick! Der italienische Name wird der groß gesetzten deutschen Übersetzung gegenüber gestellt und von der Angabe der zugehörigen Region begleitet. Der Rezepttext startet oft mit einer kurzen Beschreibung zum jeweiligen Rezept, sei es was daran besonders ist oder aus welcher Stadt es kommt. Wie der Name zur zugehörigen Region ist diese Beschreibung farbig hervorgehoben.

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Nachgekocht: Nudeln mit Bohnen von Seite 305

Greifen Rezeptteile auf Grundrezepte zurück (Parade-Beispiel: Pizzateig) wird auf die jeweilige Seite verwiesen um den Text knapp zu halten. Bei einem Handbuch wie diesem völlig in Ordnung, da es auch den Rahmen des Buches beschränkt und man nicht über 20 Mal das gleiche Pizzateig-Rezept benötigt.

Besondere Traditionsrezepte sind in einem Kasten hervor gehoben und setzten sich deutlich von den anderen Rezepten ab. So beispielsweise Rose Fritte, frittiertes Gebäck in Rosenform, auf Seite 852. Hier wird sich nicht groß mit genauen Zutaten-Angaben und Anweisungen beschäftigt, sondern lediglich ein kurzer Abriss zur Herstellung gegeben.

Die Rezepte sind vielfältig wie das Land selbst: Den traditionellen Kastanienkuchen findet man ebenso wie die Spaghetti mit Venusmuscheln, den Reis mit Erbsen, die frittierten Salbeiblätter mit Sardellen, die Reisbällchen oder die Meringen.

Der Praxistest:
Die Rezepte gelingen, sind wirklich „typisch italienisch“ und schmecken! Mehr braucht man dazu kaum zu sagen. Schön finde ich, wie man sich hier durch die Rezepte entlang hangeln kann und oft bei einem anderen Rezept hängen bleibt, als bei dem, das man eigentlich gesucht hat. Man wird zum Ausprobieren verleitet und lernt das schöne Land am Mittelmeer von der eigenen Küche aus noch ein wenig besser kennen.

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Nachgekocht: Risotto Mari E Monti von Seite 369

Fazit:
Wer die italienische Küche mag und traditionelle Rezepte aus diesem Land nachkochen möchte, ist mit diesem Buch bestens beraten. Es enthält mit den über 2000 Rezepten alles, was man aus dem letzten Italien-Urlaub kennt und noch viel mehr, von dem man bisher noch nie gehört hat. Es zeigt einem deutlich die regionalen Unterschiede der italienischen Küche auf, bringt einem die schlichte und doch so gute Hausmannskost wieder nah und, das wichtigste: Es macht riesig Spaß daraus zu kochen! Und vielleicht hat man mit „La Cucina“ sogar zum ersten Mal in seinem Leben ein Kochbuch, in dem man die Bilder oder Grafiken nicht vermisst, sondern sich an der Fülle der Vielfalt erfreut. Ein wunderbares Nachschlagewerk!

Bewertung: ✭ ✭ ✭ ✭ ✭

Kurzübersicht:
Titel: La Cucina – Die originale Küche Italiens
Autor: Accademia Italiana della Cucina
Herausgeber: Callwey Verlag
Umfang: 960 Seiten
Gewicht: ca. 1890 Gramm
ISBN: 9783766720368
Erstausgabe: 2013
Preis: 39,95 €

Rezepte aus diesem Buch:

Risotto Mari E Monti

Herzlichen Dank an den Callwey-Verlag, der mir das Rezensionsexemplar dieses Buches zur Verfügung gestellt hat. Meine eigene Meinung zu diesem Buch bleibt davon unberührt.

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