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Du stehst vor einem Regal voller Alb-Gold-Nudeln. Grüne Nudeln mit Bärlauch, mitternachtsschwarze mit Sepia-Tinte oder dunkelbraune mit Schokolade.

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Nudeln aus nussigem Emmer, nahrhaftem Dinkelvollkorn oder würzigem Einkorn… Und unterhältst Dich mit dem Hersteller darüber, wie schön es ist, dass letztes Jahr tatsächlich der Anbau von Hartweizen auf der Alb im Bauernverbund geklappt hat und daraus nun eben diese Hartweizen-Vollkorn-Spätzle gemacht werden konnten, die direkt nebenan in einem Korb stehen. Man sieht die Leidenschaft in dem Blitzen in den Augen, hört sie in der Begeisterung über die eigenen Produkte und kann sich nur ehrlich darüber freuen, dass es so etwas tatsächlich noch gibt. 

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Keine 10 Meter weiter wird der Albbüffel-Stand von der Metzgerei Failenschmid überrannt, während sich Willi Wolf, der Büffelzüchter höchstselbst, mit den Messebesuchern unterhält und über die Probleme mit seiner Herde klagt, die ihn derzeit beschäftigen (weiteres dazu in diesem höchst interessanten und lesenswerten Artikel).

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Und geht man dann noch einen Gang weiter preist Herr Rohde persönlich mit strahlendem Gesicht seine hessische Ahle Wurscht an, während es nebenan köstlichstes Brot von „Die Bäcker – Zeit für guten Geschmack e.V.“ zu probieren gibt. 

Kein Zweifel: wir sind auf der Slow-Food-Messe. Dem Markt des guten Geschmacks!

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Es ist jedes Jahr auf’s Neue ein Erlebnis und eine Wohltat zu sehen, dass es sie noch gibt: diese kleinen Manufakturen, die Familienbetriebe, die Menschen hinter unseren Lebensmitteln. Menschen, die einem mit Inbrunst erklären, wo ihre Ware wächst. Die wissen, wie gut oder schlecht die Ernte im letzten Jahr war, die erklären in welchem Dorf ihr Acker steht und denen man noch ansieht, dass sie es sind, die tagtäglich auf der Weise mit ihren Tieren herum stapfen, diese hegen, pflegen und versorgen – ja sogar lieben – bis zu ihrem letzten Tag. 

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Hier sprechen Menschen darüber, wie ihr Öl hergestellt wird, warum es so besonders ist und dass Mama und Papa in Griechenland so stolz auf die Ausbeute der Ernte von 2013 sind. Denn man will sich ja abheben von der Masse. Also presst man für das Öl für Greenomic die noch unreifen Oliven, was sich wunderbar aromatisch auf Geschmack und Geruch auswirkt. Hier weiß man noch, wann die beste Zeit ist um die zarten Fäden vom Safran zu pflücken und dass jede Blüte exakt 3 Fäden hat. Am Stand in der Halle nebenan wird Dir erklärt, warum der köstliche Schinken vom Iberico-Schwein fast schon nach Bergkäse schmeckt und was genau in der Salami ist, die daneben liegt. Gehst Du in den Supermarkt im Ort, wissen die Angestellten teils nichtmal einen Steinpilz von einem Champignon zu unterscheiden oder wie eine Avocado aussieht. Geschweige denn was alles in den Produkten ist, die in der Kühltheke auf Abnehmer warten. 

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Das Angebot auf der diesjährigen Slow-Food-Messe ist wieder grandios: Man findet alles über Öle, Essige, Wurst- und Käsespezialitäten, Salze bis hin zu Luxusprodukten wie Wein, Kaffee, Trüffel, Austern und Edel-Brände. Es gibt Köstlichkeiten aus dem Norden (beispielsweise getrocknetes Rentier-Fleisch oder Bienenbrot aus Schweden und Finnland) und Spezialitäten von der schwäbischen Alb – von Alb-Leisa über Albbüffel-Produkte bis hin zum Albsinth und Albgin sowie schwäbischem Whisky.

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Es gibt Matcha, Brot aus echtem Handwerk (nicht diese billigen Fertig-Teiglinge, aus dem TK, die nach nichts schmecken aber dennoch von den meisten Bäckereien angeboten werden), Gewürze und köstliche Schokolade. 

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Sogar einen Stand mit Schnecken-Produkten von Wiener Schnecke gibt es (wieder). Ich weiß jetzt nicht nur, dass es Schneckenkaviar und -leber gibt – ich weiß nun auch wie beides schmeckt. Man beachte: der Herr auf der Website ist der gleiche wie auf dem Foto unten. Ja, so etwas gibt es noch. Einfach herrlich!

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Neben verschiedensten Lebensmittel-Angeboten gibt es auch andere Stände, rund um’s Thema Essen und Kochen. Die Pfannen von Anne kann man auch dieses Jahr wieder bestaunen, ebenso wie verschiedenste Messer, Holzbretter oder mobile Hühnerställe für den Garten. 

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Ganz besonders begeistert mich die Saatgut-Aktion der Slow-Food Bewegung. Dieses Jahr darf man sich ein Saatgut seiner Wahl aussuchen, das in einen Topf mit Erde stecken und es mit zu sich nach Hause nehmen um ihm beim Wachsen zuzugucken. Und nicht nur das: Das Saatgut ist samenfest! Das heißt, wenn Dir die Ernte gelingt, kannst Du das Saatgut, das darin steckt im nächsten Jahr weiter verwenden. Heutzutage leider keine Selbstverständlichkeit mehr. Monsanto sei Dank. Die wissen, wie sie es gescheit anstellen… 

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Auch schön fand ich zu sehen, wie viele Bierbrauereien dieses Jahr vertreten sind. Da gibt es das schwäbische Schimpf-Bier, aber auch das traumhafte Angebot von Lammsbräu oder, für mich eine fantastische Neuentdeckung, die köstlichen „Brauspezialitäten“ von Riegele aus Augsburg. Mit Stolz und ansteckender Begeisterung wird hier von jungen Menschen erzählt, dass der Familienbetrieb seit dem vierzehnten Jahrhundert besteht und verschmitzt gefragt, ob man denn mal probieren will. Wenn ja kommt gleich die Frage „Was trinkst Du denn am liebsten?“. Denn die acht angebotenen Sorten sind so unterschiedlich, wie man es sich nur wünschen kann. Von fein herb oder süß durch die Zugabe von Honig und Kandis über hopfig bis hin zu den Starkbieren nach britischer Tradition. Schonmal ein Stout aus gerösteter Gerste getrunken, das so richtig an Kaffee oder an Kakao erinnert? Es lohnt sich!

Zudem eine ganz tolle Sache: Die Biere werden im Sonderformat abgefüllt. 0,66 Liter fasst eine Flasche und das ist Absicht. Denn es soll zum Teilen anregen. „Teilt Euch doch einfach mal wieder ein Bier“ lautet das Motto. Reicht es hin und her, sprecht darüber wie es schmeckt, was es in Euch bewirkt und philosophiert darüber, wie es vielleicht hergestellt wurde oder warum ihr das von gestern lieber habt. „Tauscht Euch aus!“ Was für eine herrliche Idee! 

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Ganz fein ist auch das Angebot von TRY: Es werden Pakete zum Probieren verkauft: fünf verschiedene Olivenöle aus der gleichen Olivensorte aber aus unterschiedlichen Anbauregionen. Von mild bis wuchtig-aromatisch. Das gleiche in Schokolade, Salz, Pfeffer oder Kaffee. Spannende Sache!

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Ich bin gestern wieder mit einigen tollen Produkten nach Hause gegangen: Eine wunderbar würzig-aromatische Salami aus Italien vom Iberico-Schwein musste ebenso mit wie ein köstlicher Essig vom Weinessiggut Doktorenhof, der so kräftig nach Blüten und Kräutern schmeckt, dass ich kaum aufhören wollte zu probieren. Auch eine Dose Safran von eben jenem jungen Mann, der über das Olivenöl von der Familie aus Italien schwärmt und es mit strahlenden Augen auf der Messe anpreist landete in der Tasche. Nicht zuletzt auch ein kleines Allzweck-Messer aus Handarbeit und ein paar 0,66-Liter-Flaschen Bier aus Augsburg, das wir teilen und uns sinnierend hin und her reichen werden. 

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Aber am wichtigsten: Ich bin wieder mit vielen schönen Erinnerungen und Eindrücken nach Hause gegangen, von denen ich nun ein Jahr lang zehren kann. Ich sehe Menschen vor mir, die vor ehrlicher Freude strahlen, wenn Du sagst: „Ich finde es so schön, was Ihr macht. Und was schmeckt das gut!“. Menschen, die Lebensmittel und ihre Produktion lieben und felsenfest dahinter stehen. Menschen, die ich hoffentlich nächstes Jahr wieder sehen werde, wenn es wieder heißt: »Markt des guten Geschmacks auf den Frühjahrsmessen in Stuttgart«!

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Die diesjährigen Frühlingsmessen können noch bis einschließlich Sonntag auf dem Messegelände in Stuttgart besucht werden. Wer also noch nichts vor hat: unbedingt hin gehen und sich verführen lassen!

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