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Im Hintergrund dudelt leise die Musik von Belle and Sebastian, die Espresso-Maschine lässt schnurrend den zweiten Kaffee des Morgens heraus und dann fällt mein Blick auf den Kalender: huch, der 15. Januar? Da war doch was! Stimmt: Mein Blog feiert heute Geburtstag! Hurra, Blümchen raus und eine große Hand voll virtuelles Konfetti!!

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Ja, „Der Klang von Zuckerwatte“ ging genau heute vor zwei Jahren mit dem ersten Beitrag online: das Rezept für unsere Lieblingslasagne, die wir inzwischen anders machen. Damals war ich noch ganz grün hinter den Ohren was die Bloggerwelt betraf und sprang so ziemlich spontan ins kalte Wasser der Öffentlichkeit im Netz. Ich hätte mir nie vorstellen können nach zwei Jahren noch immer mit so viel Freude dabei zu sein.

Den Anlass möchte ich dazu nutzen um über etwas zu schreiben, was mir in den letzten zwei Jahren immer mehr ans Herz gewachsen ist: das Kochen und der Genuss beim Essen.

Kochen ist leider zu einem Hobby verkommen, seien wir ehrlich, und beim Ausdruck „Genuss beim Essen“ verdreht manch einer die Augen und schaut dann peinlich berührt weg. Es könnte ja etwas Ansteckendes sein. Der Bezug zu ehrlichen Lebensmitteln muss von vielen erst gelernt und das Bauchgefühl, das einem sagt, was und wie viel man tatsächlich braucht, von Grund auf neu „antrainiert“ werden.

Wir lassen uns Ausreden einfallen um nicht kochen zu müssen, als wäre es eine lästige Angelegenheit mit der man lieber nichts zu tun haben will. Versucht man als kochbegeisterter Mensch einzugreifen und Vorschläge zu bringen, wie man schnell und einfach (und dann auch noch mit günstigen Zutaten) ein gutes Gericht kochen könnte, wird man teilweise schon fast verpöhnt oder als Besserwisser beschimpft. Als würde man sich beim schon geringsten Kontakt mit guten Lebensmitteln und Herd sofort die Finger verbrennen. Im Oktober fragte Heike in diesem Beitrag, wie man sich Gehör verschaffen kann für gute Lebensmittel, fernab von Fertigprodukten und Halbfertigprodukten, die in Massen in den Einkaufswägen landen – trotz Lebensmittelskandalen und vermeintlich gesundem Menschenverstand. Liebe Heike, ich weiß es auch nicht – aber lass uns nicht aufgeben, sondern weiter machen!

Kochen kann nämlich so viel Spaß machen! Zudem tun wir uns selber einen großen Gefallen, wenn wir mit Zutaten kochen, die richtig frisch vom Acker aus der Region statt von irgendwoher kommen. Oder die bei Lebzeiten glücklich auf der Wiese herum laufen und Gras und wilde Kräuter futtern durften anstatt in irgendeinem Käfig im Mastbetrieb unter schlimmsten Bedingungen gehalten wurden. Ich kaufe lieber eine Kartoffel vom Feld aus dem Nachbarort, der man noch richtig den Schmutz abkratzen muss und der man ansieht in was für einer Erde sie gewachsen ist, als eine die mich aalglatt und sauber im Supermarkt anzulachen versucht. Und wenn ich dann solch wunderbare Beiträge lese, wie beispielsweise Wurstsacks Bericht über seine Reise ins Allgäu und Südtirol oder seine nur allzu treffenden Gedanken zur zurecht gestellten Frage ob „Oma früher jemals „Zeit“ oder gar „Lust“ hatte zu Kochen“ und ich mich mit meinen Blogger-Kolleg(inn)en wie Dani, Alex, Julia oder Juliane oder Nachbarn, Freunden und Familie darüber unterhalte merke ich wieder, dass wir nicht alleine sind. Zum Glück.

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„Gesunde und bewusste“ Ernährung bedeutet für mich keineswegs, dass man jeden Nährwert einzeln abzählt, Kalorien in Tabellen einträgt oder jedes Gramm Fett, das man zum Kochen verwendet, penibel abwiegt und sich ein schlechtes Gewissen macht, wenn im Rezept „Sahne“ steht. Die liebe Miss Harrcore schrieb erst an Weihnachten einen ganz vortrefflichen Bericht zu diesem Thema. Zugleich bedeutet „Genuss beim Essen“ für mich nicht, dass jeden Tag etwas Extravagantes in stundenlanger Arbeit in der Küche auf die Teller gezaubert werden muss. Die Kartoffelpuffer nach meiner Oma genieße ich ebenso sehr, wie eine einfache Butterstulle aus frischem, selbst gebackenem Brot, eine simple Schüssel Reis mit knusprig-köstlichem Furikake obendrauf oder einfach nur ein wenig köstlichen Käse vom Markt zu einem Gläschen Wein und einer Hand voll knuspriger Grissini an einem lauen Sommerabend auf der Terrasse. Gesundes, frisch(-gekocht)es und leckeres Essen kann schnell, einfach und günstig sein. Mit ein wenig Kreativität lässt sich schon viel machen. Und wir sollten es uns wert sein!

Ich möchte hier nicht entmutigen oder den bösen Zeigefinger heben. Ich möchte Euch motivieren. Motivieren für gesundes und gutes Essen. Motivieren Neues auszuprobieren und sei es das Kochen selbst von Grund auf zu lernen. Es ist kein Hexenwerk! Traut Euch und seid stolz auf Eure erste selbst gekochte Suppe, Eure erste selbst gemachte Pizza, das erste selbst gebackene Brot oder die ersten selbst gemachten und besten (wirklich wahr!) Pommes der Welt! Stellt Euch in die Küche und probiert einfach aus. Ladet Eure Freunde ein und probiert gemeinsam herum. Und wenn mal was daneben geht… Egal! Das passiert auch uns Bloggern – wir schreiben nur nicht oft darüber. Schmecken muss es. Und Euer Körper wird es Euch danken!

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Interessiert an anderen Beiträgen oder Initiativen zum Thema Kochen und bewusste Ernährung? Hier eine Link-Liste mit Beiträgen, die mich im letzten Jahr am meisten angesprochen, bestärkt und inspiriert haben: