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Ich gehöre ja zu der kleinen Menge an Leuten, die mit Schokolade normalerweise so gut wie gar nix anfangen können. Schoko-Weihnachtsmänner und -Osterhasen bleiben bei mir jahrelang stehen, es sei denn der Schatz erbarmt sich dazu ihnen ein kurzes und schmerzloses Ende zu bereiten und am Schoko-Regal im Laden gehe ich auch ohne jedes Problem vorbei. Die einzige Gelegenheit zu der ich Schokolade kaufe ist, wenn ich meinen seltenen Schoko-Flash mit heißer Trinkschokolade ausleben muss oder wenn ich backen will.

Denn mit Schokolade zu backen gehört zu meinen Leidenschaften. Ich liebe es der Schokolade beim Schmelzen zuzuschauen und inhaliere dann aus der geringst-möglichen Entfernung diesen herrlichen Duft, sehe zu, wie sie sich die geschmolzene Schokolade mit dem Teig verbindet und wie am Schluss herrlich saftige Küchlein aus dem Ofen kommen, während sich ein traumhafter Geruch in der Küche verteilt und die Glückshormone unweigerlich anfeuert… hach ja… und dann bin ich im siebten Himmel.

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Doch damit hört es dann auch meist schon wieder auf bei mir und somit müssen der Schatz, Kollegen, Nachbarn, Familie und Freunde es auf sich nehmen und das Gebackene vernichten. Doch es gibt einen Kuchen… bei dem ist alles ganz anders.

Wenn ich diesen Kuchen backe, stehen erst einmal massig Leute Schlange. Liebe Freunde scheinen den Braten Kuchen aus kilometerweiter Entfernung zu riechen und stehen mit glänzenden Augen und einer stillen Bitte im Gesicht bei uns in der Küche. Und dann, ruck-zuck, ist die Schokosünde weggeputzt.

Somit ist dieser Kuchen praktisch schon Pflichtaufgabe für mich bei verschiedensten Familienfesten, Geburtstagen, anderen Anlässen und im Urlaub, wo sich eine hungrige Meute Rollenspieler innerhalb von wenigen Minuten darüber hermacht und selbst der letzte Krümel von der Kuchenplatte aufgesammelt wird. Und (und das ist noch viel bedeutsamer): Diesen Kuchen esse auch ich. Und das sogar sehr gerne.

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Doch damit nicht genug. Dadurch, dass ich sonst eher Schoki-Abstinenzler bin und auch ansonsten wenig Süßigkeiten oder Zucker zu mir nehme, bekomme ich beim Genuss eben dieses Kuchens einen richtig peinlichen Lachflash. Und nein, das ist kein Witz. Ein Bissen genügt. Es packt mich wie aus heiterem Himmel; ich bekomme Lachtränen und Seitenstechen und stecke rundum die Mitessenden an, weil sie mich irre komisch finden, wie ich mich da kringele… von einem einzigen Bissen Schokoladenkuchen!

Abgesehen davon schmeckt dieser Kuchen wirklich wahnsinnig köstlich. Stellt Euch ein kleines, rundes, fluffiges Etwas vor, das in der Mitte noch wunderbar saftig und cremig ist. Es duftet nach Schokolade und leicht nach Bittermandel. Es ist umhüllt von einer herrlichen Schokoglasur mit Mandelsplittern und fühlt sich im Mund so luftig-leicht an, dass man glaubt davon zu schweben. Und ich glaube, wir sind uns alle einig: Den Butter-Anteil lassen wir mal eben unter dem Tisch verschwinden!

Das Rezept stammt von der genialen Julia Child und man findet es in ihrem Kochbuch „Mastering the Art of French Cooking“ – ein wirklicher Kochbuch-Klassiker nur leider immer noch nicht auf deutsch zu erhalten. Bei uns ist dieses Buch inzwischen schon seit 4 Jahren ein fester Bestandteil unserer Küche und ein geniales Nachschlagewerk für die verschiedensten Zubereitungsweisen oder traditionell französischen Gerichte.

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Backt diesen Kuchen unbedingt nach – er ist der reine Wahnsinn! Und das auch ohne Kicher-Anfall!

Reine de Saba – der leckerste Schoko-Mandel-Kuchen der Welt!

Zutaten für 1 kleinen Kuchen (runde Kuchenform mit 20 cm Durchmesser)

  • 125 g Schokolade (ich: Kakao-Mousse von Ritter Sport oder Halbbitter)
  • 2 EL Rum
  • 110 g Butter
  • 110 g + 1 EL Zucker
  • 3 Eier
  • 1 Prise Salz
  • 1 EL Zucker
  • 50 g gemahlene Mandeln
  • ein paar Tropfen Bittermandel-Aroma (ich: ca. 1/2 Aroma-Phiole)
  • 70 g Mehl

Für die Glasur:

  • 60 g Schokolade
  • 2 EL Rum
  • 75 g Butter (ich: Halbbitter mit ca. 50% Kakaoanteil)
  • gehobelte Mandeln

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Zubereitung

Den Ofen auf 180°C Ober- und Unterhitze vorheizen. Die Backform einfetten und mit Semmelbröseln oder Mehl ausgleiten.

Die Schokolade sanft im Wasserbad schmelzen lassen und den Rum unterrühren. Hier liefert Julia Child in ihrem Buch einen hilfreichen Tipp: Wird die Schokolade beim Vermischen mit Rum zu einem festen Klumpen, einfach einen Löffel Milch unterrühren, das macht die Masse wieder schön homogen und geschmeidig.

Die Butter mit den 110 g Zucker in eine Schüssel geben und mehrere Minuten cremig schlagen, bis die Zuckerkristalle sich nicht mehr von der Butter unterscheiden lassen. Das erste Ei trennen, das Eiweiß in einer separaten Schüssel auffangen und das Eigelb gründlich unter die Butter-Zucker-Masse rühren. Mit den anderen beiden Eiern ebenso verfahren. Nach dem Verrühren des dritten Eigelbs die Schokolade unter die Masse rühren, am Schluss die gemahlenen Mandeln und das Bittermandel-Aroma hinzu geben.

Das Eiweiß mit einer Prise Salz sehr steif schlagen und den übrigen EL Zucker unterrühren. Nun ein Drittel vom Eiweiß behutsam und am besten mit einem Holzlöffel unter den Schokoladenteig heben. Anschließend ein Drittel vom Mehl unterrühren. Danach den Eischnee und das Mehl im Wechsel vorsichtig unterheben, bis alles eingearbeitet ist.

Den Teig in die Backform füllen und für 25 Minuten in der Mitte des Ofens backen. Der Kuchen ist fertig, wenn der Teig in der Mitte der Form sich leicht bewegt, wenn man an der Form rüttelt, doch die Stäbchenprobe an den äußeren 7 cm des Kuchens gelingt.

Den Kuchen vorerst für 10 Minuten in der Form lassen, dann erst vorsichtig heraus lösen und am besten auf einem Kuchengitter komplett auskalten lassen. Das dauert ca. 2 Stunden. Erst dann mit der Glasur überziehen.

Für die Glasur die Schokolade sanft im Wasserbad schmelzen lassen und den Topf vom Herd nehmen. Den Rum hinzufügen (auch hier hilft bei Klumpenbildung wieder der Trick mit der Milch weiter) und dann Teelöffel für Teelöffel die Butter unterrühren. Ist die Butter komplett geschmolzen und hat sich mit der Schokolade verbunden, die Masse abkühlen lassen, bis sie eine zähflüssige Konsistenz erreicht hat. Am besten stellt man hierfür die Schüssel mit der Glasur in eine zweite, mit Eiswasser gefüllte, Schüssel und rührt, bis die Masse kühl und streichfest genug ist.

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Zu guter Letzt den Kuchen mit der Glasur überziehen und wer mag dekoriert ihn danach noch mit Mandelsplittern. Ich röste die Mandelsplitter gerne kurz in einer Pfanne an. Das sieht am Schluss noch schöner aus und schmeckt noch einmal einen Ticken besser. Allerdings sollte man die Mandelsplitter komplett auskalten lassen, bevor man den Kuchen damit garniert; sonst kann man zusehen, wie einem die Mandeln samt Glasur vom Kuchen fließen. Und ja: ich spreche aus Erfahrung 😉

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