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Nachdem ich letzte Woche schon die frittierten grünen Tomaten für Shermins tolles Blogevent „Lesehunger“ vorgestellt habe, kommt nun mein zweiter Beitrag für dieses bibliophil-kulinarische Blogevent.

Lange habe ich überlegt, was ich neben den grünen Tomaten denn noch kochen könnte; immerhin bin ich eine bekennende Leseratte und besonders in der Fantasy-Literur fühle ich mich wohl. Je märchenhafter eine Geschichte oder eine Buchreihe ist umso besser und meine Lieblingsbücher dieses Genres kann ich immer wieder und wieder verschlingen – auch diese, die ich inzwischen schon fast in- und auswendig kenne.

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Trotz aller In- und Auswendigkeit fiel es mir dann doch schwer ein Gericht zu finden, das ich umsetzen wollte. Doch ich wurde fündig: bei Juliet Marillier. Sie gehört eindeutig zu meinen unschlagbaren Lieblingsautoren und ihre Bücher lese ich alle mindestens ein mal im Jahr. Die Australierin schreibt wunderbare Fantasybücher mit einem Hauch von keltischer Magie und die Liebe spielt auch gerne eine Rolle, wenn auch nie in wirklich kitschigem Sinne.

Juliets Bücher werden leider kaum ins Deutsche übersetzt, was ich unglaublich schade finde. Dennoch schreibt sie in einer so hervorragenden, malerischen englischen Sprache, dass ich auch gerne die Originale lese. Was auf deutsch erschienen ist, habe ich dennoch hier. Teilweise sogar schon doppelt, da die Bücher so zerlesen sind… Ich weiß noch, wie von meinem ersten Buch von ihr nach und nach die Seiten ausfielen und ich verzweifelt versuchte sie wieder in den Paperback-Bund einzukleben. Irgendwann gab ich auf und kaufte mir die neue Auflage nach.

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Mein Einstieg in Ihre Erzählungen war die Sevenwaters-Reihe und davon der erste Teil. „Die Tochter der Wälder“ ist ein traumhaft geschriebenes Buch und es reißt einen so sehr mit, dass man – nachdem man erst einmal angefangen hat – es kaum noch aus der Hand legen mag. Die Geschichte erinnert in der Zusammenfassung sehr an das gut bekannte Märchen „die sechs Schwäne“: Sorcha, die Tochter des Waldes, hat sechs Brüder, die eines Tages von einer bösen Zauberin in Schwäne verwandelt werden. Sie allein kann sie retten und ihnen ihre menschliche Gestalt wieder bringen. Was sich so simpel, kurz und altbekannt anhört ist eine packende Geschichte auf nicht weniger als 600 Seiten, die so malerisch geschrieben ist, dass man sofort eintaucht in dieses wilde Irland des 9. Jahrhunderts. Genial finde ich, dass die Geschichte aus der Ich-Persektive geschrieben ist und man so viel intensiver mit Sorcha mitfiebert, als es andererseits vielleicht der Fall wäre. Auch ist dies eines jener Bücher, die man (auch wenn man das normalerweise nicht tut) gut noch ein zweites Mal lesen kann, da es viele kleine Andeutungen versteckt hält, die einem beim ersten Lesen vielleicht gar nicht so aufgefallen sind. 

Die Fortsetzung „Der Sohn der Schatten“ ist ebenso gut geschrieben und fasziniert mich, sowie der erste Teil, jedes Mal aufs Neue. Dieses Buch ist aus der Perspektive von Sorchas Tochter Liadan geschrieben. Liadan ist Heilerin durch und durch. Nicht nur wurde ihr alles Wissenswerte über Kräuter und Behandlungsmethoden von ihrer Mutter Sorcha beigebracht; sie hat zudem auch noch die Gabe mit ihrer besonderen Einfühlung den Geist und die Seele zu heilen.

Eines Tages wird sie von einer Gruppe von Söldnern („Dem bemalten Mann“ mit Bran als ihrem Hauptmann) entführt, was ihren weiteren Lebensweg für immer verändern wird. Diese Söldner sind an das Leben unterwegs gewöhnt und gut organisiert. Sie haben ihre teils sehr tragische Vergangenheit hinter sich gelassen und leben nun in den Schatten. Sie haben ihre echten Namen abgelegt und nennen sich nun „Hund“, „Möwe“, „Schlange“, „Otter“, „Ratte“, „Spinne“ oder „Wolf“. Sie leben von ihren Aufträgen und haben einen gefürchteten Ruf. Abends sitzen sie oft beisammen und essen frisch gemachten Eintopf von der Feuerstelle.

Eintöpfe kennt man ja bis heute gut. Ihr Urprung kommt wirklich daher, dass man in einem einzigen Kessel auf einer Feuerstelle ein ganzes Gericht kochte. Da ich nun einen ziemlich authentischen Eintopf kochen wollte, fing ich an mich in die irische Küche des 9. Jahrhunderts einzulesen und versuchte mich dabei in das alte Irland hinein zu versetzen:

  • Die Menschen lebten ländlich, das Wetter war nass. Kartoffeln kannte man noch lange nicht, mit Nudeln verhält es sich nicht anders. Für mich als Nudel- und Kartoffel-Liebhaber ist das schon Herausforderung genug, doch da ist ja noch mehr.
  • Weißbrot war für die Iren der damaligen Zeit purer Luxus. Der Anbau von Weizen war in Anbetracht der Wetterlage nicht besonders einfach und somit war Weizen etwas, das den Adligen und Reichen vorbehalten war und selbst diese aßen es oft nur zu besonderen Anlässen.
    Gerste hingegen war das Grundnahrungsmittel für viele und die Nahrungsbasis der Armen. Hafer und Roggen wurden ebenfalls angebaut und lieferten die Grundlage für Haferbrei (Porridge) und ehrliche Brote.
  • Fleisch war ebenfalls Luxus. Schweine wurden gehalten, ebenso Schafe und auch Rind.
    Über die Haltung von Hühnern habe ich sehr Widersprüchliches gelesen: Während diese Quelle besagt Hühner wären fast unbezahlbar und daher kaum auf einem Hof gehalten gewesen, behaupten diese und diese Quelle, dass es Hühnergehege gegeben hätte, wenn eventuell auch erstab dem 19. Jahrhundert in größerem Umfang, also rund 1 Jahrtausend nach der Sevenwaters-Geschichte.
    Auf jeden Fall kann man wohl sagen, dass Hühner eher selten waren. Wie es auch gewesen sein mag: Fleisch war ein Luxusgut. Doch die Iren waren gute Jäger und holten sich ab und an ihr Essen im Wald. Vogelwild, Reh und Kleintiere standen daher gerne auf dem Speiseplan.
  • Die Milchprodukte von Kühen und Schafen fanden einen festen Platz in der Weiterverarbeitung. Frische Milch galt als äußert schmackhaftes Getränk und wurde Königen gereicht, ansonsten wurde sie oft weiter verarbeitet und somit auch haltbar gemacht in Form von Käse, Quark oder Butter.
  • Am Meer aß man gerne Fisch und auch Algen fanden ihren Weg auf die Teller.
  • An Obst kannte man Apfelbäume, ebenso wie Erdbeeren, Brombeersträucher oder auch Himbeeren und Pflaumen.
  • Angebautes Gemüse waren vielerlei Kohlsorten, sowie Zwiebel- und Wurzelgemüse: Grünkohl, Weißkohl, Pastinaken, Weißrüben, Kohlrabi, Sellerie, Lauch, Zwiebeln, Knoblauch aber auch von Dicken Bohnen, Erbsen und Kürbis habe ich gelesen.
  • Honig war ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der Ernährung: er war der einzige Lieferant für Süße in den Gerichten und galt als wichtige Zutat für Saucen, Brot und Eintöpfe. Honig war sogar so wichtig in Irland, dass er einen eigenen Abschnitt im Gesetz erhielt. Jeder Haushalt hatte einen Bienenstock. Immerhin war nicht nur der Honig ein wichtiger Bestandteil in der Küche: Auch das Wachs der Bienenwaben wurde genutzt um Kerzen herzustellen.
  • Salz war teuer, doch bildete es einen wichtigen Bestandteil zum Haltbarmachen und Würzen. Die Salzquelle war hierfür meist das Meer. In Ulster gab es ein großes Salzvorkommen, doch für viele Iren war damals das beste Salz aus England.

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Mit all diesem Wissen im Kopf entschied ich mich für einen Kanincheneintopf. Er wird in „Der Sohn der Schatten“ auch mehrmals erwähnt, während Liadan bei den Söldnern ist.

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Für Reisende und die Art von Söldner wie die, um die es in diesem Buch geht, mag so ein Wild-Eintopf oft auf den Tellern gelandet sein. Im Wald ließen sich hervorragend kleine Tiere jagen, aus denen man tolle Gerichte kochen konnte, und ein Kaninchen war bestimmt super geeignet. Als Reisender aß man aus kleinen Gefäßen und hartes Brot diente teilweise als Löffel oder man aß schlichtweg mit den Fingern. Dazu gab es Bier; wahrscheinlich ein Schwarzbier.

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Nachdem mir eine liebe Freundin heute auf dem Markt tatsächlich ein ganzes Kaninchen gesichert hat, war ich überglücklich und konnte am Nachmittag umgehend mit dem Kochen loslegen. Neben dem Kaninchen habe ich Pastinaken, Mairüben, Lauch und Sellerie in den Eintopf getan, sowie Knoblauch, Zwiebeln und etwas Thymian. Und dann – ich muss es zugeben – habe ich ein wenig geschummelt… und habe das Ganze nach dem Andünsten mit Madeira abgelöscht. Den gab es zwar damals nicht, aber ein wenig mogeln darf man ja. Das Ergebnis war ein wirklich schmackhafter Eintopf.

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Dieser Eintopf ist ein tolles Gericht, wenn man viele Leute bewirten will. Ein ganzes Kaninchen lässt sich in diesem Eintopf ziemlich gut auf viele Portionen strecken und zudem kann man mehr Gemüse verwenden. So wie ich den Eintopf gemacht habe, reicht er locker für 6 Portionen, eher für mehr. Und die Arbeit hält sich, abgesehen von dem Lösen vom gegarten Fleisch von den Knochen, sehr in Grenzen – auch für viele Portionen. Also, dann mal los!

Kanincheneintopf des „Bemalten Mannes“

Zutaten für einen großen Topf (6-8 Portionen)

  • 2 EL Butter
  • 1-2 Zwiebeln, geschält und in Ringe geschnitten
  • 4 Zehen Knoblauch, geschält und in Scheiben geschnitten
  • 1 Kaninchen (meines hat ca. 1,5 kg gewogen)
  • 1-2 Pastinaken, geschält und in Würfel geschnitten
  • 3 Mairüben, geschält und in Würfel geschnitten
  • 1/4 Knollensellerie, geschält und in Würfel geschnitten (oder 5 Stangen Stangensellerie ebenfalls in Würfeln)
  • 1 Stange Lauch, geputzt , längs halbiert und in halbkreisförmige Scheiben geschnitten
  • 50 ml Madeira
  • ein paar Zweige Thymian, Blättchen abgezupft
  • 1/2 TL Salz

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Wie zerteilt man nun ein Kaninchen?

Ich habe mir erst überlegt, ob ich das Tier einfach am Stück in den Bräter tun soll. Doch als ich es dann vor mir liegen hatte, brachte ich es nicht über mich (es guckte so… was soll man machen?) und ich zerteilte es schließlich. Den Kopf habe ich nicht mit in den Topf getan (wie schon gesagt: ich hab‘s einfach nicht über mich gebracht) und auch die Innereien habe ich nicht mitgekocht. Dies könnte man zwar natürlich tun, aber ich habe mich dagegen entschlossen.

Beim Zerlegen von einem Kaninchen schneidet man erst das Fleisch rings um das Genick herum bis auf den Knochen ein und trennt dann den Kopf vom Körper. Entweder mit einem scharfen Hackebeil oder einem anderen schweren Messer. Und nicht unbedingt mit der Spitze davon, sondern man nimmt eher den Teil vom Messer, der dem Griff am nächsten ist um so mehr Kraft beim Schneiden ausüben zu können.

Dann geht‘s an die vier Beine: an den Hinterläufen das Fleisch rings um das letzte Gelenk vom Hinterlauf einschneiden und dann das Bein mit einem Messer abtrennen. Die Vorderläufe lösen sich fast von selbst, wenn man erst einmal das Fleisch rings um das oberste Gelenk eingeschnitten hat.

Und nun trennt man noch den Bauchteil von dem oberen Teil: Man zählt von „unten“ vier Rippenbögen ab und setzt dort mit seinem Schnitt an.

Bis auf den Kopf habe ich alle Teile des Kaninchens in den Topf getan, auch die Stücke, die kaum Fleisch dran haben, da diese durch die vielen Knochen ein herrliches Aroma an den Eintopf abgeben.

Wem das jetzt zu kompliziert klang, kann sich hier ein tolles Video darüber angucken.

Zubereitung

Die Butter in einen großen Topf geben und bei niedriger Hitzezufuhr schmelzen lassen. Den Knoblauch, die Zwiebeln und den Lauch sanft darin andünsten.

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Die Kaninchenteile ebenfalls in den Topf geben, rund herum leicht anbräunen, ohne dass das Gemüse anbrennt, und dann alles mit dem Madeira ablöschen.

Das übrige Gemüse samt Thymian und dem Salz in den Topf geben und den Topfinhalt nun gut mit Wasser bedecken (ich habe ca. 2 Liter hinein gegossen), den Topf verschließen und den Eintopf bei niedriger Hitzezufuhr 1-2 Stunden lang köcheln lassen, bis sich das Fleisch leicht von den Knochen lösen lässt.

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Nun die einzelnen Kaninchenteile aus dem Topf fischen, ausdampfen lassen und sobald man es sich und seinen Fingern zutraut (Vorsicht: heiß!) das Fleisch von den Knochen lösen und in mundgerechte Stücke rupfen oder schneiden.

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Die Fleischstücke wieder zurück in den Topf geben, umrühren und zusammen mit einer Scheibe Brot und etwas Bier servieren.

20130604-DSC_0235Habt eine wunderbare Woche mit hoffentlich viel, viel Sonne!
Eure Ylva

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