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Irgendwie bin ich ja schon ein wenig verrückt oder? Während sich andere am Vatertag einen gemütlichen Abend auf dem Sofa gegönnt haben, lebte ich meinen Traum von bunten Teigwaren in der Küche aus. Und machte Nudeln. Viele Nudeln. 

Angefangen hat alles damit, dass ich neulich das wunderbare Bärlauch-Nudel-Rezept von Rock the Kitchen sah und sofort hin und weg war von dieser Idee. Nudeln. Selbst gemacht. Hach! Und dann auch noch in BUNT! Nochmal: Hach!! Und sofort wollte ich auch. Ganz bald und ganz dringend.

Und als dann auch noch sämtliche feiertägliche Food-Bilder und neue Rezepte auf Twitter kursierten bekam ich so Appetit auf irgendwas selbst Gemachtes, dass mir das Faulenzen so richtig verging und ich mich in die Küche stellen musste. Logisch oder?

Somit begann ich Nudeln zu machen. Ich hatte Lust auf Experimente und beschloss eine rote, grüne und noch eine Sorte zu machen. Also: Kühlschrank und Tiefkühl inspiziert und mich vorerst für Tomatenmark entschieden. Dabei herausgekommen sind wunderbar schmackhafte orange-rote Nudeln, die farblich wunderbar in die Welt von Twin Peaks passen würden.

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Kaum war der Tomaten-Nudelteig in Folie eingewickelt, zierte ein weiterer Mehlberg die Arbeitsfläche. Und ich flitzte in den Keller um den Bärlauch aus dem Tiefkühl zu holen… nur um festzustellen: Tja, Pustekuchen! Das ist gar kein Bärlauch! Das ist ja Petersilie. Ohje!

Petersilie und ich mögen uns überhaupt und gar nicht. Wir haben eine lange und sehr traurige Geschichte mit vielen Versuchen, die alle böse endeten und inzwischen kann man mich damit jagen. Nun fiel es mir auch wieder ein: an irgendein Gericht für Schatz musste irgendwann einmal Petersilie. Und da ich den Rest dann doch nicht wegschmeißen wollte, kam das noch fast vollständige Bund halt in den Tiefkühl. Und nun fiel es mir wieder in die Hände.

Ich schaute mich noch ein letztes Mal, beinahe panisch, um: Wirklich: NIX mehr da? Kein Bärlauch? Ne, woher auch…? Kein Basilikum? Ach nein, sonst hätte ich ja umgehend den tollen Nudelsalat von Mia ausprobiert. Nichtmal mehr Spinat? Der ist zwar sowieso nur höchst frisch bei uns vorzufinden und sowieso immer zum sofortigen Verwenden gedacht. Aber man kann ja hoffen! Trotz aller Suche: Fehlanzeige. Und nu?

Bockig und stur, wie ich in solchen Situationen nunmal bin („Aber ich WILL jetzt grüne Nudeln machen…!“) gab ich letztendlich seufzend nach und hackte die Petersilie klein. Und was kann ich sagen? Das Ergebnis hat mich echt überrascht: In Nudelform esse auch ich Petersilie. Sehr gerne sogar. Lecker!

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Tja und die dritte Variante? Die dritte Nudelsorte wurde wieder asiatisch: Es wurden Udon-Nudeln. Allerdings diesmal etwas anders als bei mir bisher üblich, nämlich mit etwas Zitronensaft im Teig. Lecker, sag ich Euch!

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Wer bisher noch keine Nudeln selbst gemacht hat: Traut Euch. Nur zu!

Und so geht’s:

Orange-roter „Twin-Peaks-Nudelteig“ mit Tomatenmark

Zutaten für 2-3 Portionen

  • 250 g Hartweizenmehl
  • 2 Eier
  • 3 EL Tomatenmark
  • 1 Prise Salz

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Zubereitung

Das Mehl in eine Schüssel oder auf eine Arbeitsfläche geben, eine Mulde hineindrücken. Dort hinein kommen die verquirlten Eier, das Tomatenmark und das Salz.

Alles gut verkneten, je nach Konsistenz muss noch etwas mehr Wasser oder Mehl hinzu. Ist der Teig schön geschmeidig, sollte er in Folie gewickelt werden, denn er muss 2 Stunden bei Zimmertemperatur ruhen.

Grüner „ich-habe-keinen-Bärlauch-und-freunde-mich-nun-mit-Petersilie-an-Nudelteig“

Zutaten für 2-3 Portionen

  • 250 g Hartweizenmehl
  • 2 Eier
  • 1 Bund Bärlauch Petersilie
  • 1 Prise Salz

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Zubereitung

Die Eier aufschlagen und zusammen mit den gehackten Kräutern mit Hilfe des Pürierstabs schaumig und klein mixen.

Das Mehl in eine Schüssel oder auf eine Arbeitsfläche geben, eine Mulde hineindrücken. Dort hinein kommen die verquirlten Kräuter-Eier und das Salz.

Alles gut verkneten, je nach Konsistenz muss noch etwas Mehl Wasser oder Mehl hinzu. Ist der Teig schön geschmeidig, sollte er in Folie gewickelt werden, denn er muss 2 Stunden bei Zimmertemperatur ruhen.

Zitroniger Udon-Nudelteig

Zutaten für 2 Portionen

  • 200 g Hartweizenmehl
  • 100 ml Flüssigkeit bestehend aus dem Saft einer Zitrone und Wasser
  • wer mag kann auch etwas Zitronenschale abreiben
  • 10 g Salz

Zubereitung

Das Mehl mit dem Salz, dem Zitronenwasser und eventuellem Zitronenabrieb mit Geduld (ja, die braucht man hier) zu einem geschmeidigen, festen Teig verkneten. Der Teig sollte am Ende nicht kleben, aber auch nicht super trocken sein. Meist passiert das automatisch, wenn man ihn lange knetet, aber ab und zu muss noch noch 1 EL mehr Wasser oder ein winziges Bisschen mehr Mehl ran.

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Den Teig gut in Filie einwickeln und für mindestens eine Stunde bei Zimmertemperatur ruhen lassen.

Die Nudeln in Form bringen

Rote & Grüne Nudeln

Die Teige für den roten und den grünen Nudelteig jeweils halbieren (die andere Hälfte wieder gut einwickeln um Austrocknen zu vermeiden) und die Teigstücke gut flach klopfen.

Durch die größte Öffnung der Nudelmaschine durchkurbeln, dann durch die nächst-kleinere usw. Ich habe sie bis zur vorletzten Stärke durchgekurbelt (bei unserer Nudelmaschine Stufe 2 von 7).

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Zwischendrin immer gut mehlen. Nun noch einmal beide Seiten der Teigbahn mit Mehl einstäuben, die Bahnen in eine nudelgerechte Länge schneiden (ca. 30 cm) und durch die Tagliatelle-Walzen der Nudelmaschine durchkurbeln.

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Die Nudeln am anderen Ende auffangen bzw. aufsammeln und entweder kurz zu mehreren lockeren Nudelnestern verdrehen, bis die zweite Teighälfte durch ist und dann sofort kochen… oder trocknen. Zum Trocknen gibt es spezielle Nudelständer, doch Not mach erfinderisch und es geht auch so:

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Sobald die Nudeln trocken sind können sie verpackt, verschenkt oder einfach trocken gelagert werden, bis man sie weiter verwenden mag.

Wer keine Nudelmaschine hat kann dennoch super Nudeln machen. Hierzu den Teig mit einem Nudelholz möglichst dünn ausrollen. Und wer aus dem Teig Bandnudeln machen mag klappt die zurecht geschnittenen und bemehlten Teigbahnen zusammen und schneidet ihn mit einem Messer in Nudelnstreifen mit der gewünschten Breite.

Die Udon-Nudeln brauchen eine Extra-Behandlung!

Nachdem der Udon-Nudelteig geruht hat, wird er in eine Plastiktüte gelegt und für einige Minuten mit den Füßen gestampft. Ja, das macht man wirklich so und ich habe sogar richtig Spaß daran. Stampfen sollte man möglichst für einige Minuten, damit der Teig wunderbar weich und elastisch wird.

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Anschließend wird der Teig ausgerollt, ca. 1-2 mm dick und möglichst in Form eines Rechteckes. Das Ausrollen ist etwas anstrengend, da der Teig recht fest ist, aber mit etwas Geduld geht das. Beim Ausrollen hilft etwas Mehl, zu viel sollte man aber nicht nehmen – nur gerade so viel, dass nix an der Arbeitsplatte oder am Nudelholz kleben bleibt.

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Anschließend den Teig nochmal mehlen, etwa 3 Mal zick-zack-artig zusammen klappen und in 1-2 mm dicke Streifen schneiden. Diese sofort aufdröseln und je 5-7 Nudeln zu kleinen, lockeren Bündeln drehen.

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Die Udon-Nudeln müssen umgehend gekocht werden, damit sie nicht austrocknen und ihre tolle, elastische Konsistenz beibehalten. Hierzu einen Topf mit reichlich Wasser zum Kochen bringen. Das Wasser ungesalzen lassen – die Nudeln enthalten schon genügend Salz!

Die Nudeln hinein geben, vorsichtig rühren, damit nix verklebt und so lange garen, bis sie gar sind (ca. 5 Minuten). Dann müssen die Nudeln abgegossen und gewaschen werden. Mit viel kaltem Wasser – macht Euch keine Sorgen: bei italienischen Nudeln wäre dieses kalte Abbrausen ein Fauxpas – hier ist das aber wichtig. Die Stärke muss von den Nudeln ab, das Abwaschen schadet ihnen also keineswegs.

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Auch macht es nix, dass sie nun kalt sind. Verwendet man sie gleich weiter, werden sie umgehend wieder warm und verwendet man sie nicht weiter, kann man sie ohne weitere Wartezeit für’s Abkühlen in den Kühlschrank stellen. Hierzu am besten kurz in 1 EL geschmacksneutralem Öl (Erdnussöl oder Sonnenblumenöl beispielsweise) schwenken und in einer Art Tupperbox gut verschließen.

Gut gekühlt halten sich die Nudeln bis zu einer knappen halben Woche – ich würde es allerdings nicht darauf ankommen lassen und die Nudeln maximal 2 Tage im Kühlschrank aufheben.

Last but not least: Rezeptvorschläge

Orange-rote Tomatenmark-Nudeln mit grünem Spargel und Schinken

2 Stangen grünen Spargel pro Portion putzen, das holzige Ende abbrechen und mit dem Sparschäler in lange Streifen „hobeln“. Die Nudeln in reichlich Salzwasser geben, nach 1-2 Minuten den Spargel hinzu geben und beides bissfest garen. Ein paar Scheiben Schinken in Streifen schneiden. Die Nudeln und den Spargel durch ein Sieb abseihen, mit dem Schinken vermischen und auf Teller verteilen. Mit etwas Ricotta garnieren und eventuell noch etwas Olivenöl über die Teller träufeln.

Grüne Petersilien-Nudeln mit Miesmuscheln

Je 250 g Miesmuscheln pro Portion gut abspülen und beschädigte Muscheln aussortieren. Die Nudeln in reichlich Salzwasser bissfest garen. Nebenbei in einem Topf klein gehackte Zwiebel- und Knoblauchstückchen in 1 EL Butter plus 1 EL Olivenöl dünsten, die Miesmuscheln hinzu geben, ebenso ein Glas Weißwein, Vermuth oder Ähnliches. Den Deckel auflegen und so lange garen, bis die Muscheln sich geöffnet haben. Die fertig gegarten Nudeln im Muscheltopf schwenken, mit etwas Chili würzen und rasch servieren. Dazu passt ein Glas leckerer Wein.

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Zitronige Udon-Nudeln mit Nordseekrabben aus dem Wok

Die fertig gegarten Udon-Nudeln bereit stellen.

Bei 2 Portionen 2 Frühlingszwiebeln, 1 Knoblauchzehe und ein walnussgroßes Stück Ingwer putzen, eventuell schälen und in Stifte schneiden. Etwas Erdnussöl in einem Wok stark erhitzen, das Gemüse samt 4 EL Nordsee-Krabben unter stetigem Rühren für knapp 1 Minute anbraten. Bevor alles braune Farbe annimmt mit einem Gemisch aus 1 EL Mirin, 1 EL Limettensaft und 2-3 EL Sojasauce abschrecken. Kurz warten und rühren, bis sich die Alkoholwolke vom Mirin verzogen hat. Dann die Nudeln hinzu geben, den Wok gut schwenken bzw. alles vorsichtig verrühren. Schnell auf Nudelschüsseln verteilen und mit einem kühlen Bier servieren.

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Natürlich isst man die Udon-Nudeln traditionell mit Stäbchen… doch Achtung: flutschig! 😉 Wer übrigens die Udon-Nudeln noch nicht kennt, sollte die unbedingt ganz bald mal ausprobieren! Weitere Rezepte und Tipps gibt es hier.

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