Schlagwörter

, , , , , ,

Heute gab es bei uns etwas zum Abendessen, auf das ich total abfahre – und seitdem er es kennt auch der Schatz im Haus: Lauchtorte. Die Amerikaner würden wohl „Leek Pie“ dazu sagen.

Lauchtorte kenne ich schon, seit ich denken kann: In meiner Kindheit hat sie mein Papa sehr gerne für uns gemacht (und ich denke, er macht sie heute noch gern). Wenn er meinen Bruder und mich damals ärgern wollte, sagte er es gäbe „Zwiebelkuchen mit Schweinebauch“ zum Abendessen. Das fanden wir schon vom Namen her total doof und erwarteten das baldige Abendessen nicht unbedingt mit riesiger Vorfreude… bis wir aufgrund der leckeren und sich in der Wohnung verbreitenden Düfte bald darauf kamen, dass es sich um nichts geringeres als die heiß geliebte Lauchtorte handeln musste und wie die Erdmännchen vor der Ofentür warteten, bis sie endlich fertig werden würde.

Das Gericht ist so lecker und im Prinzip nichts anderes, als Mürbeteig mit gedünstetem Lauch, der ja leider gerne etwas verkannt wird. Gerade in der deutschen Küche kennt man Lauch bevorzugt als Suppengemüse, ansonsten weiß man allerdings nicht viel damit anzufangen. Alles andere Gemüse wird mit Freuden gekauft: Kohlsorten in jeglicher Variation, obwohl diese von manchen fast schon regelrecht verachtet werden, Wurzelgemüse in verschiedenster Ausführung, Tomaten, Paprika, Gurke, Salat und dann noch saisonale Highlights wie frische Erbsen, Spargel und Co. werden geliebt und vielseitig verwendet. Doch der Lauch hingegen bleibt traurig und einsam in der Gemüseauslage zurück und verdrückt – da bin ich mir ganz sicher – immer mal wieder eine kleine Träne, da ihn keiner mag.

Eigentlich schade, denn gerade gedünstet und mit leckerer Flüssigkeit angerührt, sei es nun eine feine Brühe, etwas Beschwipstes oder gar ein pfiffiges Dressing gibt er ein herrliches Essen ab. Je nach beigefügten Gewürzen ist er dann noch unglaublich wandelfähig und sollte eigentlich viel häufiger Verwendung finden. Denn ob als Vorspeise oder Hauptspeise – Lauch kann einfach unglaublich lecker sein.

Bei der Lauchtorte wird der Lauch in feiner Butter gedünstet, dann in etwas Weißwein geschwenkt und zusammen mit Speck, Sahne, Crème fraîche und Ei auf einen Mürbeteigboden gegeben. Die Mischung aus leckerem, zugleich knusprigen und im Mund zerfallendem Mürbeteig und der Frische des Lauchs zusammen mit dem deftig-würzigem Speck ist einfach göttlich und nicht nur an kalten Winterabenden ein Gericht, dem man einfach nicht widerstehen kann.

Für mich ist es zudem eines dieser Gerichte, die mich schon bei Erwähnung der selbigen immer aufmuntern und mir ein wohliges Hungergefühl in den Bauch zaubern. Ein Klassiker aus der Kindheit eben.

Somit war es nicht verwunderlich, dass mir gestern sofort Lauchtorte einfiel, als mich der Lauch in der Auslage so angelacht hat. Ich sah ihn an und fragte: „Na, magst Du heute mal etwas Schönes erleben und ein leckeres und auch duftendes Abendessen werden? Der Lauch war begeistert und hüpfte glücklich in den Einkaufskorb… Ihr glaubt mir nicht? So ähnlich war es – ganz bestimmt!

Was Ihr braucht ist eine flache, ca. 28 cm große Quicheform. Eine Pieform in ähnlichem Durchmesser würde auch funktionieren. Bevor wir die Quicheform hatten haben wir als Notlösung eine Springform genommen. Es hat zwar geklappt – man macht hierbei einfach den Teigrand höher und gießt die Füllung höher ein – aber es braucht länger zu backen und flach schmeckt die Lauchtorte einfach noch ein wenig feiner.

Die Portionen bei diesem Rezept reichen für 3-4 gute Esser; was übrig bleibt kann am nächsten Tag wieder aufgewärmt werden – so sichert man sich eventuell gleich ein zweites tolles Abendessen.

Zutaten für 4 Portionen bei einer Quicheform von ca. 28 cm Ø:

Für den Teig:

  • 250 g Mehl
  • 125 g Butter
  • 1 Eigelb
  • 1/2 TL Salz
  • eventuell etwas Wasser

Zutaten für die Füllung:

  • 3 geputzte Lauchstangen (je nach Größe/Dicke können es auch mal 2 oder 4 werden)
  • 1 EL Butter
  • Salz, Pfeffer, Muskat
  • 1 Glas Weißweiß – Schatz und ich nehmen am liebsten einen Pinot Grigio
  • 100 g Schinkenspeck in kleinen Würfeln – gewöhnliche Speckwürfel gehen auch, die sollte man aber für ein paar Minuten etwas anbrutzeln, bevor man sie verwendet
  • 2 Eier
  • 1 Eigelb
  • 3 EL Crème fraîche (je großzügiger die Löffel, desto leckerer… logisch!)
  • 1/4 l Sahne

Zuerst den Teig vorbereiten, denn der muss eine Weile ruhen:
Mehl, Butter, Eigelb und Salz miteinander verrühren und zu einem Mürbeteig verkneten. Das dauert, auch wenn man anfangs noch denkt, dass das Rezept eine blöde Kuh ist. Einfach etwas Geduld haben, so schwer es auch ist, und ordentlich weiterkneten. So lange kneten, bis ein Teig entstanden ist der fest aber noch gut formbar ist bzw. sich gut ausrollen lässt. Manchmal braucht der Teig noch etwas Wasser, bei mir selten mehr als 1 EL.

Den Teig für mindestens 1 Stunde in den Kühschrank stellen und ruhen lassen. Danach den Teig entweder 3 mm dick ausrollen und die Quicheform damit auslegen (auch den Rand) oder mit den Fingerknöcheln schön in die Form drücken. Danach den Teig ein paar Male mit einer Gabel einstechen.

Den Backofen auf 200°C Ober- und Unterhitze vorheizen. Den Lauch in fingerlange Stücke schneiden, diese einmal längs halbieren und dann in Streifen schneiden. Die Butter in einer großen Pfanne zum Schmelzen bringen und den Lauch bei niedriger Hitze andünsten. Dabei auf die Temperatur achten: Der Lauch darf nicht braun werden, sonst schmeckt er bitter. Also ruhig langsam dünsten.

Nach ein paar Minuten den Weißwein zum Lauch geben und ihn somit ablöschen. Mit Salz, Pfeffer und ordentlich Muskat abschmecken. Bei gleicher Temperatur ca. 10 Minuten lang garen. Anschließend den Lauch in einem Sieb gut abtropfen lassen.

Das Gemüse auf den Teigboden geben. Schinken, Ei, Eigelb, Sahne und Crème fraîche miteinander verquirlen, gerne auch nochmal mit Salz, Pfeffer und Muskat würzen, und über den Lauch gießen. Vorsichtig mit einem flachen Löffel alles etwas vermischen und dann ab in den Ofen damit.

Der gute Siebeck, von dem das Original-Rezept dieser wahren Gaumenfreude ursprünglich stammt, stellt die Quicheform dazu immer auf den Ofenboden, wir stellen sie auch gern auf den heißen Pizzastein.

Für 30-40 Minuten backen, bis die Sahne-Ei-Mischung gestockt ist. Servieren und nur noch genießen. Dazu passt ein Weißwein – am besten sogar der, der schon im Essen ist.

Bon appétit und einen schönen Sonntagabend Euch allen!
Ylva

Advertisements