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Astrid von dem wunderbar-genialen Food-Blog „Arthurs Tochter kocht“ hat diese Woche einen sehr interessanten Beitrag über die wunderbaren Rezepte-Klassiker aus der Kindheit berichtet. In ihrem Fall: Pfannkuchen. Sie berichtet darüber, wie schade es doch eigentlich ist, dass diese alten Gerichte aus der Kindheit, die uns damals tagtäglich so beglückt haben, mit den Jahren immer mehr in Vergessenheit geraten und dass es für manche Food-Blogger fast schon ein Unding wäre, so einfache Gerichte vorzustellen.

Gerichte, die man an glücklichen Tagen aus der Kindheit gegessen hat. Standard-Gerichte von Mutti und Oma bzw. Papa und Opa – bei mir sind es auch die Männer der Familie, die grandios kochen können. Warum keiner darüber schreibt? Wahrscheinlich weil es „zu einfach“ erscheint. Zu banal, wenn man stattdessen über die Höchstgefühle der kulinarischen Kochkunst berichten kann.

Doch wie Astrid so schön schreibt: Trotz aller tollsten Gerichte der Welt sind gerade die, die man aus der Kindheit kennt, bis zum heutigen Tag auch genau die Gerichte, die einem so das Herz erfreuen, dass man nur daran denken muss um glücklich zu sein. Einfach so. Ich denke hierbei immer wieder gerne an den herrlichen Film Ratatouille, in dem der gefürchtetste aller Restaurant-Kritiker in Anbetracht des einfachen Ratatouille in die Knie geht, da es ihn an „das von Mama“ erinnert.

Da genau diese heiß geliebten Gerichte meiner Meinung nach wirklich viel mehr Beachtung verdienen, eröffne ich heute eine neue Kategorie an Rezepten auf meinem Blog: Rezepte aus der Kindheit. Gute, alte Klassiker, die sich immer lohnen gemacht zu werden und die einem selbst oder den Angehörigen schon beim Erwähnen ein seliges Lächeln ins Gesicht zaubern.

Für mich das absolute Highlight aus meiner Kindheit: Omas Kartoffelpuffer. Was habe ich sie geliebt. Und mein Bruder ebenfalls. Und ich denke, er schließt sich mir sofort an, wenn ich sage, dass ich sie bis heute vergöttere. Waren wir zu Besuch bei Oma und sie wollte wissen, was wir uns zum Mittagessen wünschen, kam die Antwort wie im Chor: „Kartoffelpuffer!“ Bei meinem Bruder immer mit Apfelmus (selbst gemacht und mit ordentlich Zimt natürlich); bei mir zumindest manchmal.

Und obwohl ich während meiner Kindheit wirklich heftige Probleme beim Essen hatte (ich bin mit einer Speiseröhrenfehlbildung auf die Welt gekommen) artete das Puffer-Essen gern in einer Art Wettessen zwischen meinem Bruder und mir mir aus: Wer schafft es am schnellsten seinen Teller leer zu essen um dann als erster rasch zu Oma in die Küche zu flitzen um vor dem anderen die nächste Portion frisch aus der Pfanne zu ergattern? Natürlich hat mein Bruder immer gewonnen. Unser Opa bekam zu den Puffern meist noch etwas Frikassee, Salat und Bohnen – wir wollten nur die Puffer.

Meine (bzw. unsere) Lieblings-Kartoffelpuffer habe ich hier schon einmal vorgestellt. Der Trick unserer Oma bei diesem Rezept besteht darin zu den geriebenen Kartoffeln etwas Quark zu geben, damit die Puffer nicht ganz so schwer schmecken und den sprichwörtlichen Stein im Bauch verursachen. Einfach nur herrlich sag ich Euch!

Etwas anderes, worauf wir uns immer wie Geier gestürzt haben und dies bis zum heutigen Tag tun, waren bzw. sind ihre Kartoffelklöße. Die selbst gemachten versteht sich. Ein deutscher Klassiker zu Anlässen, bei denen die ganze Familie am Tisch sitzt und es irgendeinen Braten, Schmortopf, ein Stück Kassler oder Ähnliches gibt; da man den Lieben etwas Gutes zu tun will.

Da das gar kein Hexenwerk ist, wie man vielleicht vermuten mag, gibt es nun für Euch heute ein Oma-Spezial sozusagen, nämlich das Rezept für ihre Kartoffelklöße. Ihr Rezept ist für 8 Klöße – meist schafft man nicht mehr als 2, also reichen sie normalerweise für 4-5 Personen. Übrig gebliebene Klöße kann man super am nächsten Tag in Scheiben schneiden und mit „guter Butter“ in der Pfanne anbrutzeln. Das schmeckt auch einfach herrlich!

Zutaten für besagte 8 Kartoffelklöße:

  • 1 kg rohe festkochende Kartoffeln
  • 500 g gekochte Kartoffeln (ebenfalls festkochend und am besten vom Vortag oder zumindest komplett ausgekaltet)
  • 1 Ei (für kleinere Mengen reicht das Eigelb, sonst werden die Klöße zu fest)
  • Salz und Pfeffer
  • etwas Muskat
  • etwas Mehl
  • eventuell etwas Semmelbrösel

Zubereitung:

Die rohen Kartoffeln schälen, reiben, fest ausdrücken (Omas weltweit nehmen dazu traditionell ein Leinentuch, ich quetsche sie hingegen meist portionsweise mit der Hand aus) und in eine Schüssel geben. Die gekochten Kartoffeln pellen, grob reiben oder durch die Kartoffelpresse drücken und zu den rohen Kartoffeln in die Schüssel geben.

Die rohen Kartoffeln nehmen mit der Zeit eine bräunliche Färbung an – das ist völlig normal und wird beim Kochen wieder rückgängig gemacht.

Das Ei aufschlagen, zu den Kartoffeln in die Schüssel geben und gut mit ihnen verrühren. Mit einer guten Prise Salz und Pfeffer würzen, wer mag reibt noch etwas Muskat mit hinein. Nun nach und nach 1 EL Mehl mit dem Teig verkneten und zwar so lange, bis der Teig so fest ist, dass er sich mühelos mit den Händen formen lässt und dabei nicht auseinander fällt. Wer mag kann noch 1-2 EL Semmelbrösel unterrühren.

Mit nassen Händen 8 möglichst gleich große Teile vom Teig nehmen und zu großen Klößen rollen oder pressen. Ich kann sie gerade so zwischen die gewölbten und zu einer Kugel geschlossenen Handflächen nehmen.

Einen Topf mit reichlich gesalzenem Wasser (wie bei Nudeln etwa) zum Kochen bringen, die Klöße vorsichtig hinein gleiten lassen. Erneut aufkochen lassen und die Temperatur auf die mittlere Stufe stellen, damit das Wasser nur noch simmert und nicht mehr sprudelnd vor sich hin blubbert.

Die Klöße nun ca. 10 Minuten garen, dann die Herdplatte ausschalten und den Topf auf der Restwärme der Platte weitere 10 Minuten stehen lassen. Wir haben Induktion und stellen bei diesem Schritt die Herdplatte auf die aller-niedrigste Stufe.

Die Klöße sind fertig, wenn sie im Topf nach oben schwimmen. Nun können sie mit einem Schaumsieb aus dem Topf gefischt und auf einer großen Platte angerichtet werden. Mit 2 Gabeln die Klöße leicht aufreißen, damit sie etwas ausdampfen können und den Gästen oder einem selbst beim Futtern nicht den Mund verbrennen.

Eine Variante der Klöße wäre: bevor man aus dem Teig die Klöße formt, steckt man gebrutzelte Brot und/oder Speckwürfel in den Teig. Natürlich gehen auch weitere Varianten; probiert es einfach aus.

Dazu gibt es bei meiner Oma bis zum heutigen Tag „ein gutes Stück Fleisch“ – mal einen Braten, mal ein leckeres Stück Kasseler; manchmal auch einfach ein gutes Stück Fleischkäse oder feine Rouladen. Natürlich stets mit einer leckeren Bratensauce serviert, doch da ich die Klöße gern mit etwas Butter esse, steht diese auch immer mit auf dem Tisch. Weitere Beilagen sind bei Oma gerne Rosenkohl, grüne Bohnen, Rotkohl oder ähnliches. Gute, deutsche Küche eben.

Ich hingegen mache diese Klöße unglaublich gerne zu Köttbullar – den schwedischen Fleischbällchen, die mit einer herrlichen Preiselbeersauce gegessen werden. Zu Königsberger Klopsen haben wir sie allerdings auch schon gehabt. Lecker!

In dem Sinne: Guten Appetit!
Eure Ylva

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