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Heute geht es um die herrliche Welt der Pies. Und um einen Film, der sich ebenfalls rund um dieses Thema dreht: Jennas Kuchen (Originaltitel: Waitress) ist ein wunderbarer Film für alle Back-Freunde, Pie-Liebhaber, Kuchen-Inspirierte und Food-Fanatiker, die es gerne ab und zu etwas süßer mögen.

Jenna ist Kellnerin in einem Diner in den Südstaaten und kreiert Tag für Tag eine eigene Pie für die Kunden, die als Spezialangebot des Tages angeboten wird. In ihrer Ehe fühlt sie sich schon seit Jahren unglücklich und so plant sie schon seit einiger Zeit sich von zu Hause wegzuschleichen und ihrem Mann zu entkommen. Doch der Film beginnt prompt mit einer zerschmetternden Neuigkeit für Jenna: Sie ist schwanger. Sie entscheidet sich dafür, das Baby zu bekommen, aber darüber nicht allzu glücklich zu sein. So trifft sie Dr. Pomatter, ihren Frauenarzt, und verliebt sich in ihn – für sie ein letzter Versuch doch noch ihr Glück in der Welt zu finden. Bei Jennas Kuchen lohnt sich wie so oft der Originalton, da hier der Südstaaten-Slang liebevoll die Handlung des Films unterstützt.

Mit den wunderbaren Schauspielern Keri Russell als Jenna, Jeremy Sisto als ihrem Mann Earl (vielen wahrscheinlich noch gut bekannt als Billy Chenowith aus Six Feet Under) und Nathan Fillion als Dr. Pomatter, ist der Film ein wahrer Seelenstreichler und die herrlichen Aufnahmen – insbesondere die Aufnahmen der Pies – lassen einem das Wasser im Mund zusammen laufen. Im Zeitraffer sieht man Jenna dabei zu, wie sie ihre Pie des Tages aus dem Nichts heraus erfindet. Dabei sitzt sie mal ruhig an einer Bushaltestelle auf der Bank, dann im Auto neben ihrem Mann, der gerade seinen Alltagsstress bei ihr los werden will. Völlig aus dem Zusammenhang gerissen sieht man eine Pie Form, die liebevoll mit Zutaten bestückt wird.

Und da Jenna ihre Pies nach ihrer derzeitigen Inspirationsquelle benennt, entstehen Namen wie: »Falling in Love Pie«– eine Pie mit Keksboden und Schokofüllung, »Bad Baby Pie« – eine Quiche mit Mürbeteig-Boden und einer Füllung aus Brie, Schinkenwürfeln und Ei, »Baby screaming in the middle of the night and ruining my life Pie« – ein Käsekuchen mit Brandy bestrichen und mit Pekanüssen und Muskat bestreut oder die »Earl murders me because I have an affair Pie« bei der Himbeeren und Brombeeren in einen Schokoboden eingestampft werden.

So schafft es der Film den Zuschauer am Schluss mit einem wohligen Gefühl und Appetit auf Pies zurück zu lassen. Ich war zwar schon vor dem Film ein Fan der amerikanischen Pies gewesen, aber danach wollte ich unbedingt so viel wie möglich auszuprobieren – auch wenn es noch so verrückt klingen mag, was in den Kuchen kommt.

Das tolle an den Pies ist, dass sie sehr vielseitig sind. Schokoboden, Mürbeteigboden, Keksboden mit zerlassener Butter… Mal wird der Boden vorgebacken, mal erst mit der Füllung und mal gar nicht. Dann kann die Füllung zusätzlich mit Teig oder einer anderen Haube abgedeckt werden oder man lässt den Deckel weg. Die Füllung selbst kann deftig sein, wie eine Quiche beispielsweise oder auch mit Fleisch und ergibt so ein feines Mittagessen. Somit sind Pies sehr beliebt für ihre Eigenschaft als Reste-Verwerter. Oder man macht die Füllung süß und zaubert somit ein herrliches Dessert. Und auch hier sind die Möglichkeiten zahlreich: Beeren, Schokolade, Käsekuchen, oder auch eher trockene Füllungen sind hier möglich und wie der Boden müssen diese nicht zwangsweise gebacken werden.

So kann man auch Pies kreieren, die nie einen Ofen von innen sehen – es sei denn man muss die Pie vor hungrigen Haustieren oder Kindern verstecken und hat sonst nirgendwo Platz dafür.

Mit dieser riesigen Vielfalt an Pies kann einem ganz schwurbelig im Kopf werden, wenn man sich nicht entscheiden kann, was man denn backen mag. So erging es mir am Wochenende und ich habe etwa eine Stunde gebraucht um am Schluss einfach mit irgend etwas anzufangen. Entschieden habe ich mich letzten Endes für eine Chocolate Pie.

Ich esse Schokolade pur zwar vielleicht nur ein oder zwei Mal im Jahr, wenn es hoch kommt. Aber ich backe für mein Leben gern mit ihr. Brownies, Reine de Saba, Devil‘s Food Cupcakes oder nun diese Chocolate Pie zu backen, macht mir einfach unbeschreiblich viel Spaß. Ich liebe es, wie sich der Geruch von feinem Kuchenteig mit dem traumhaften Duft von (meist geschmolzener) Schokolade verbindet und ein wahres Duftparadies in der Küche entsteht. Es ist einfach herrlich!

Und dann schmeckt das Endergebnis meist auch noch so umwerfend, dass man die Körperwaage am liebsten für ein paar Tage ignorieren und sich mit dem Gebackenen in einem Schrank einsperren mag… Ich bekomme bei so viel Schokolade immer einen Kicheranfall und belustige somit mein Umfeld.

So auch bei dieser Chocolate Pie. Ich habe sie einfach mal nach Jennas „Falling in Love Pie“ benannt und das passt super, auch wenn Jennas Pie im Film einen Boden aus zerkrümelten Keksen mit zerlassener Butter hat und ich hier statt dessen Mürbeteig genommen habe. Dennoch: die Füllung aus cremiger Schokolade haut einen glatt um und zusammen mit dem leicht salzigen Mürbeteig geht die Füllung eine so enge Liebesbeziehung ein, dass man einfach kaum genug davon futtern kann. Und ja: ich habe die letzten Tage viel gekichert!

Diese Pie (oder ist es die Schokofüllung?) vertreibt wirklich jede Art von Sorgen (sollte man gerade welche haben) und lässt die Sonne gleich etwas heller scheinen. Auf jeden Fall ist diese Pie es Wert gebacken und gefuttert zu werden. Wem die Menge zu viel ist, macht seinen Freunden, Bekannten, Nachbarn, Kollegen oder seinem Schatz eine Freude und verschenkt ein Stückchen. Oder zwei oder drei…

Und sie geht auch noch sehr einfach zu backen. Man sollte nur etwas Ruhe- und Backzeit für den Teig einplanen, sowie am besten ein paar Stunden Kühlzeit für die fertige Pie.

Für eine Pie-Form mit einem Durchmesser von 28 cm benötigt Ihr:
Für den Teig (den Boden):

  • 200 g Mehl
  • 100 g kalte Butter in kleinen Stückchen
  • 1/2 TL Salz
  • eventuell etwas Wasser

Für die verführerisch-cremige Schokofüllung:

  • 175 g Zucker
  • 1 Päckchen Vanillezucker
  • 400 ml Milch
  • 50 g Mehl
  • 50 g Zart- oder Edelbitterschokolade (>70% Kakaoanteil)
  • 30 g Kakaopulver
  • 1 Prise Salz
  • 4 Eigelb
  • 1-2 EL Butter

Zuerst den Zeig vorbereiten: Aus Mehl, Butter und Salz einen Mürbeteig kneten. Eventuell teelöffelweise Wasser dazu geben um ihn geschmeidiger zu machen. Nach jedem TL Wasser alles gut verkneten, bevor man eventuell noch mehr hinzu gibt. Der Teig ist fertig, wenn er eine geschmeidige Kugel bildet, die weder feucht oder gar klebrig-nass, noch bröselig-trocken ist. Je nach dem mit etwas mehr Mehl oder Wasser nachhelfen, allerdings sparsam mit den Zugaben sein und lieber alles noch einmal gut durchkneten.

Den Teig in Frischhaltefolie wickeln und für etwa eine Stunde im Kühlschrank ruhen lassen.

Den Backofen auf 200°C Ober- und Unterhitze vorheizen. Den Teig aus dem Kühlschrank holen und so ausrollen, dass möglichst ein gleichmäßiger Teig-Kreis entsteht, der etwas größer ist, als der Boden der Pie-Form. Diese nun mit dem Teig auskleiden, eventuell den Teig am Rand noch etwas hoch ziehen und vor allem fest drücken.

Die Form samt Teig (aber ohne Füllung!) für ca. 25 Minuten in den Ofen schieben, bis der Teig krustig-kross und krümelig ist und langsam eine goldene Färbung annimmt. Die Form aus dem Ofen nehmen, den Ofen ausschalten und mit der Füllung beginnen:

Die Eigelbe in einer Schüssel kurz verquirlen. Zucker, Vanillezucker, Mehl, Milch, Schokolade, Kakaopulver und Salz in einen Topf geben und unter ständigem Rühren erhitzen. Sobald es anfängt im Topf zu blubbern noch eine Minute weiter rühren.

Nun 1-2 EL von der heißen Masse zum Ei geben und sofort und heftig mit dem Schneebesen mixen, damit sich das Ei gut und rasch mit der Schokolade verbinden kann. Für ca. 30 Sekunden lang gut weiter rühren und dann das Ei zur restlichen Schokomasse in den Topf geben. Für weitere 2 Minuten auf der noch angeschalteten Platte unter Rühren erhitzen. Die Masse wird dabei etwas eindicken, bis sie ungefähr die Konsistenz von heißem Schokopudding hat.

Die Masse nun auf den vorgebackenen Mürbeteig-Boden in der Pie-Form geben. Bei mir ist hier noch einiges vom Rand übergestanden, das nächste Mal werde ich den Teig am Rand nicht ganz so weit hoch ziehen.

Die Füllung bis zur Zimmertemperatur abkühlen lassen. Anschließend die Pie am besten im Kühlschrank lagern. Die Füllung ist ungekühlt eher flüssig. Schmecken tut es zwar dennoch sehr lecker, aber es läuft einem die Füllung vom Teigboden und die Pie lässt sich etwas schwieriger auf Tellern anrichten und servieren. Nach ein paar Stunden im Kühlschrank ist die Füllung gerade so fest, dass sie dennoch schön cremig, sanft und weich ist – so fest wie abgekühlter Pudding etwa – und die Pie lässt sich nun wunderbar portionieren und genießen.

Ein wahrer Gaumenschmaus!

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