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Letztes Wochenende piepte mein E-Mail-Postfach. Ein guter Freund von uns wollte ins Kino. „Hat jemand spontan Lust auf Kino? Also hab ich da doch gleich mal geantwortet: „Ja, sehr gerne!“.

Und so beschlossen wir Holy Motors zu sehen, der derzeit in Stuttgart im Programmkino läuft.

Als wir spät abends am Samstag los gefahren sind, waren gespannt, was uns da im Kino erwartet. Den Trailer hatte ich schon gesehen (hier noch ein weiterer Trailer), auch ein paar Kritiken gelesen und konnte mir dennoch nicht wirklich etwas darunter vorstellen. Um fast 23 Uhr saßen wir dann im Kinosaal und als der Film losging wussten wir nicht so ganz wie uns geschieht. Es folgten knappe zwei Stunden skurriler und bizarrer Filmmomente, die uns am Schluss recht ratlos zurück gelassen haben.

Der Film lässt sich eigentlich nicht beschreiben. Und trotzdem: ich fand ihn gut. Und faszinierend. Es gibt wenige Filme, die eine Szene haben, die man mit Worten allein nicht beschreiben kann. Holy Motors hingegen besteht fast nur aus solchen Szenen und man kann eigentlich nur sagen: Wer wissen will, was darin passiert, sollte ihn sich ansehen. Und mal ehrlich – gibt es ein besseres Lob für einen Film? Wohl kaum.

Um dennoch kurz anzureißen, worum es in Holy Motors geht:
Er handelt von dem Geschäftsmann Monsieur Oscar, wunderbar herrlich gespielt von Denis Lavant, für den diese Hauptrolle sogar speziell geschrieben wurde. Dieser wird vom Zuschauer einen Tag lang bei seiner Arbeit in Paris begleitet. Während man anfangs noch denkt, dass Monsieur Oscar nun mit der Limousine ins Büro gefahren wird, arbeitet dieser statt dessen verschiedene Aufträge ab und schlüpft dabei in verschiedene Rollen bzw. Leben, die alle für sich eine eigene kleine Welt darstellen. Manche Szenen beschreiben hier fast schon einen gewöhnlichen Alltag. Andere hingegen entführen den Zuschauer in höchst surreale Situationen. Monsieur Oscar verkörpert eine Bettlerin um kurz darauf eine professionelle Motion Capture Einlage hinzulegen. Er ist Auftragskiller, Vater, sterbender Greis und Blumen fressender Wahnsinniger. Und noch viel mehr.Was mich an Holy Motors ganz besonders fasziniert hat: meist passiert gerade das, was man am wenigsten erwartet. So sitzt man im Kinosaal und prustet auf einmal fast los, weil die augenblickliche Handlung so seltsam und unerwartet anders ist, dass man nicht anders kann als zu lachen. Im nächsten Moment hingegen bleibt einem der Lacher im Hals stecken, man hält die Spannung oder auch Ernsthaftigkeit der Situation kaum noch aus und weiß nicht so recht wie einem geschieht.

Ein Dozent an der Medienschule hat während meines Studiums einen Besuch im Kino einmal mit einem Traum verglichen. Dieser Film bestätigt diese Theorie: Emotionen, Stimmungen, Charakterzüge und sogar Genres wechseln sich von einer Szene zur anderen ab und schaffen eine Traumlogik, die eine Interpretation kaum möglich macht. Sobald man meint eine Situation annähernd begriffen zu haben, kommt ein Schnitt… und die so mühsam zusammen gereimten Erklärungen verpuffen im Nichts. Und es kommt noch verrückter. Denn als Zuschauer stellt man sich am Schluss sogar die Frage: „Was von alle dem war nun ‚echt‘?“ Und genau dies ist auch die Absicht von Leos Carax, dem Regisseur, der mit Holy Motors ein cineastisches Meisterwerk geschaffen hat.

Mein Fazit: Holy Motors ist ein Highlight der Filmkunst und ein Tipp für all jene, die surrealistische und skurrile Filmmomente, sowie auch ein außergewöhnlich anderes Kinoerlebnis lieben. Wer zudem noch die Möglichkeit hat, Holy Motos tatsächlich im Kino zu sehen, sollte sich die Bildgewalt dieses Films, die man nur im Kinosaal so gut erleben kann, nicht entgehen lassen.

Unbedingt ansehen!

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