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Was für eine Nacht gestern: Die Perseiden haben uns einen Himmel voller wunderbarer Sternschnuppen beschert. Statt ewig lange aufzubleiben, habe ich mich um 11 Uhr nachts ans Fenster gestellt und hinaus geschaut in das große blau-schwarze All. Keine 5 Minuten später: die erste Sternschnuppe. Und wie wunderschön sie war! Aus meiner Blickrichtung direkt über meinem Kopf eine gerade Linie nach „unten“ bzw. vorne, einen wunderbaren Schweif hinter ihr her ziehend. Gegen halb eins war ich dann müde und bin schlafen gegangen. Insgesamt 8 Sternschnuppen konnte ich bewundern. Wie schön!

Heute fühle ich mich glücklich (immerhin: 8 Wünsche!) und schön ausgeruht und kann mich in Ruhe meinen Lieblingsbeschäftigungen widmen. Es ist immerhin Wochenende: Zeit mit meinem Schatz verbringen, mit unseren Katzen kuscheln und spielen, kochen, alles mit der Kamera dokumentieren und bloggen. Vielleicht noch einen Film schauen.

Zum Beispiel den wunderbaren Film Julie & Julia. Er handelt von den beiden Frauen Julia Child und Julie Powell. Die erste ist (bzw. war) eine Art amerikanische Kochikone, die in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts in Frankreich gelebt hat, dort fasziniert war von der traditionellen Küche und schließlich gelernt hat professionell zu kochen. Später ist sie mit einem wunderbaren Kochbuch über die französische Küche berühmt geworden, das sie zusammen mit ihren französischen Freundinnen Simone Beck und Louisette Bertholle geschrieben hat. Zudem führte ein Millionen-Publikum von Amerikanern auch mit ihrer Kochsendung „The French Chef“, welche in den 60er Jahren zum ersten Mal im Fernsehen ausgestrahlt wurde, an die französische Küche heran. Julie Powell hat sich einige Jahrzehnte später ein persönliches Ziel gesetzt: das gesamte Kochbuch Mastering the Art of French Cooking, das in Amerika zu diesem Zeitpunkt schon ein Klassiker war, nachzukochen. Innerhalb von einem Jahr. Darüber hat sie gebloggt und ist damit berühmt geworden. Diese zwei Damen gab bzw. gibt es also wirklich.

Wer nun das sagenhafte Kochbuch Mastering the Art of French Cooking einmal in der Hand hatte, weiß: Das ist ein ganz guter Schinken! Über 650 Seiten, voller genauestens beschriebener Rezepte, die auch den allergrößten Kochneuling so detailliert durch die einzelnen Schritte führen, dass man eigentlich gar nix falsch machen kann. Im Gegensatz zu vielen Kochbüchern der heutigen Zeit in denen es oft darum geht, dass die Rezepte einfach und möglichst schnell zu machen und dann auch noch möglichst raffiniert und lecker sein sollen, gibt es in diesem Kochbuch geballtes Wissen. Beispiel: Wie schmort man Pilze und warum gerade so und nicht so? Fleisch sollte man abtrocknen, bevor man es brät, damit es schön braun werden kann. Wozu passt dieses Gemüse oder jene Sauce?

Man sollte vielleicht einräumen: Dieses Kochbuch ist nicht unbedingt voller Rezepte, die man als „gesund“ bezeichnen kann. Die vorgestellten Gerichte sind alle unglaublich lecker, allerdings auch voller Butter, Wein,… voller Möglichkeiten sich Hüftgold im Feinsten und das in Massen anzufuttern. Meryl Streep trifft es in dem Film mit folgendem Zitat sehr gut: „Wir machen Teig mit so viel Butter darin, dass einem das Herz allein beim Anblick stehen bleibt!“ Wer über den Berg an Kalorien hinweg sehen kann, hat ein wunderbares Kochbuch voller französischer Klassiker, liebevollst bis ins kleinste Detail beschrieben und ein Handbuch, das einem (wenn man es wirklich will) das Kochen beibringen kann. Und man muss ja nicht jeden Tag danach kochen.

Aber zurück zum Film: Meryl Streep spielt die bezaubernde und (mit 1,88 m) ungewöhnlich große Julia Child wunderbar herrlich und so charmant, dass man sie einfach lieben – ja fast schon vergöttern – muss. An ihrer Seite spielt Stanley Tucci (den ich auch immer klasse finde) ihren Mann Paul. Allein diese beiden waren damals ein Grund für mich ins Kino zu gehen, mal von der Faszination abgesehen, die ich immer habe, wenn es um Filme geht, die vom Essen und Kochen handeln. Amy Adams spielt wunderbar herrlich die Rolle der Julie Powell und wird ihresfalls begleitet von Chris Messina, der Julies Ehemann Eric spielt. Der Film strahlt eine Lebensfreude und Liebe zum Essen bzw. Kochen aus, die mich immer wieder anstecken. Was (die „echte“) Julie Powell damals in ihrer winzigen Küche alles vollbracht hat, ist Wahnsinn. Sie hat wirklich alles nachgekocht, innerhalb von einem Jahr. Egal, ob es nun Muscheln waren, Leber, Aspik,… sie hat ALLES nachgekocht! Und auch gegessen. Wenn man bedenkt, was es da in Frankreich alles zu Essen gibt und auch in diesem Kochbuch steht, kann ich nur sagen: Hut ab!

Ein Rezept, was in dem Film zwar nicht gekocht, aber angesprochen wird, ist Beurre Blanc. Julia Child schwärmt in diesem Film ihrer Schwester von dieser Sauce vor. Die Säure im Essig und im Wein sorgen dafür, dass wenn man beides erhitzt und kalte Butter unterrührt, diese beim Schmelzen nicht flüssig wird, sondern eine herrlich cremigen Sache zaubert, die so göttlich schmeckt, dass man nur noch vor dem Herd steht und „Mhhhh!“, „Wie lecker!“ und „Unglaublich…“ vor sich hin murmelt. Ich stand heute wirklich mit dem Schneebesen in der Hand und rief: „Wow, die Butter wird ja wirklich cremig!“ und dann: „Boah, wie lecker!!“

Das Rezept hat mich also schon bei der bloßen Beschreibung angelacht und da wir zur Hochzeit zwei tolle Kupfer-Töpfe geschenkt bekommen haben, war das die Gelegenheit sie einmal zum Einsatz zu bringen. Nur: Was dazu? Laut Rezept-Beschreibung passt Gemüse und Fisch dazu. Also: Warum denn nicht einmal Fisch?

Den Fisch haben wir auf dem Markt gekauft. Ursprünglich hatte ich geplant Wolfsbarsch zu machen, den gab‘s aber nicht mehr, also haben wir eine Dorade geholt. Und dann ein Problem: Entnommen ist der Fisch ja meist, wenn man ihn kauft. Aber entschuppt? Nö.

In Zeiten der Not in der Küche und bei kulinarischen Angelegenheiten gibt es bei mir eine zuverlässige Anlaufstelle. Mein wandelndes Kochlexikon: meinen Papa. Ihn hab ich somit gleich mal angerufen. „Duuu? Sag mal, wie entschuppst Du denn immer Fische?“ Nun weiß ich, es ist kein Hexenwerk. Sogar ich hab’s geschafft und am Schluss war keine einzige Schuppe mehr auf der Dorade. Es gibt allerdings zwei Dinge, die man beachten sollte. 1. Es spritzt. 2. Es spritzt wirklich!

Somit gibt es verschiedene Möglichkeiten um sich davor zu schützen den Fisch zwar schnell entschuppt zu haben, aber dann die leidliche Aufgabe zu haben die Küche und deren Einrichtung entschuppen zu müssen. Die einfachste und bequemste Möglichkeit: Den Fischhändler beim Kauf bitten, den Fisch zu entschuppen. So bleiben die eigenen vier Wände sauber und man hat weniger Arbeit vor dem Kochen.

Das hatte ich gestern vergessen und außerdem will ich ja lernen, wie es geht. Also, die zweite Möglichkeit: Den Fisch in ein möglichst hohes Gefäß legen, während man ihn entschuppt. Oder, noch besser wenn man die Möglichkeit hat: Dabei in den Garten gehen. So habe ich es letztlich gemacht.

Und so geht es: Ein Küchenmesser „verkehrt herum“ in die Hand nehmen. Die stumpfe Kante nach unten, als wolle man mit ihr schneiden und die scharfe Kante nach oben gerichtet. Nun den Fisch vor sich hin legen, das Messer auflegen und es einige Male vom Schwanz bis zum Kopf des Fisches ziehen. Auf beiden Seiten natürlich. Die Bereiche am Rücken, am Bauch und unter den Flossen dabei nicht vergessen. Hat man, wie wir, eine Dorade sollte man dabei zusätzlich vorsichtig sein, denn deren Flossen sind sehr scharf und man kann sich schneller daran verletzen als einem lieb ist. Danach den Fisch noch einmal ordentlich mit kaltem Wasser abwaschen und man kann loslegen.

Für Fisch mit Beurre Blanc benötigt man bei 2 Personen:

Für die Sauce:

  • 15 ml Weißweinessig (wir haben die ml in Gramm abgemessen, 15ml = 15g)
  • 15 ml guten Weißwein oder ersatzweise Zitronensaft
  • 1 TL sehr fein gehackte Zwiebel, Schalotte oder Frühlingszwiebel
  • 90 g kalte Butter in kleinen Stücken
  • Salz und Pfeffer

Für den Fisch:

  • 1 ganzen, entnommenen und entschuppten Fisch (beispielsweise Dorade oder Wolfsbarsch)
  • Olivenöl
  • Salz
  • Rosmarin
  • ein paar Knoblauchzehen, ungeschält
  • etwas Zitronensaft

Zusätzliche Beilagen, wie gegartes Gemüse oder Reis.
Wir hatten Mini-Kartoffeln aus dem eigenen Garten und gegarte Erbsen dazu.

Den Backofen auf 200°C Ober- und Unterhitze vorheizen. Den Fisch innen und außen salzen (ich hab in etwa 1/2 TL Salz genommen). 2 Zweige Rosmarin in den Fischbauch stecken und ihn in einen leicht eingeölten Bräter, eine Kasserolle oder eine Auflaufform geben. Hauptsache die Form ist groß genug und ofenfest. Der Fisch muss locker hinein passen. Den Fisch nun mit einem Schuss Olivenöl begießen, noch 1-2 Zweige Rosmarin in die Form legen, ebenso die ungeschälten Knoblauchzehen. Wer es etwas würziger mag, kann zusätzlich noch etwas Zitronensaft über das Ganze träufeln, das muss aber nicht sein. Normalerweise kann man auch etwas Gemüse mit dem Fisch backen. Beispielsweise eine geschälte und in feine Scheiben geschnittene Möhre, ein paar Kapern oder gehackte Oliven. Aber hierbei braucht man das nicht unbedingt, denn die Sauce und andere Beilagen kommt ja später noch dazu.

Den Fisch in den vorgeheizten Ofen schieben und je nach Größe und Gewicht für ca. 15-20 Minuten backen. Unsere Dorade hat roh an die 350 g gewogen und hat 20 Minuten gebraucht. Der Fisch ist gar, wenn sich die Flossen leicht vom Fisch lösen lassen. Beim Backen alle 5 Minuten mal kurz den Ofen aufmachen, etwas Flüssigkeit abschöpfen und über den Fisch träufeln. So sah der Fisch aus, als er aus dem Ofen kam:

Nebenbei die Sauce zubereiten: Weißwein und Essig zusammen mit den Zwiebelstückchen und etwas Salz und Pfeffer in einem Topf erhitzen und auf etwa 1/2 TL stark einkochen lassen.

Den Topf vom Herd nehmen, zwei Stückchen Butter mit einem Schneebesen einrühren.

Ist die Butter fast völlig geschmolzen, den Topf zurück auf den Herd, die Temperatur sollte inzwischen auf Sparflamme stehen (die niedrigste Stufe ist super). Nun weiter ein Stückchen Butter nach dem anderen gründlich einrühren, dabei das nächste Stück immer erst dann einrühren, sobald das vorige Stück fast völlig geschmolzen ist.

Ist die Butter aufgebraucht, die Sauce in eine leicht angewärmte Saucenschüssel füllen. Die Sauce sollte möglichst frisch verzehrt werden, zum erneut aufwärmen eigenet sie sich nicht sonderlich.

Während dem Sauce-Rühren die Beilagen nicht vergessen: Blumenkohl, kleine Kartoffeln, Reis oder ein paar Erbsen in einem separaten Topf garen.

Den fertigen Fisch aus dem Ofen holen, die Filets von der Gräte lösen und zusammen mit der Sauce und eventuell gegartem Gemüse servieren. Und ach ja: Die Fischbäckchen nicht vergessen, denn die schmecken immer am besten. Sie verstecken sich zwischen den Augen vom Fisch und den Kiemen.

Die Sauce macht wegen dem Butter-Anteil übrigens unglaublich satt. Wir dachten erst, der eine Fisch wäre zu wenig und auch die Beilagen sahen in meinen Augen spärlich für unsere Verhältnisse aus. Doch wir haben es gerade so geschafft! Wer einen fett-empfindlichen Magen hat, sollte etwas vorsichtig beim Saucen-Genuss sein. So unglaublich lecker es auch ist.

Und nun, um es mit den Worten von Julia Chlid zu sagen: Bon appétit!

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