Schlagwörter

, , , , , , , ,

Kaum zu glauben, wie gut so ein Huhn schmecken kann, wenn man es so richtig, richtig (!) betrunken macht! Und ebenso kaum zu glauben, was der Sommer gerade macht.

Ich persönlich bin überhaupt kein Sommermensch. Ich hab im Hochsommer bei über 30°C ständig das Gefühl, meine grauen Zellen schalten sich gleich ab und ich bin dann auch zu nix mehr zu gebrauchen. Aber trotzdem… besonders schön ist dieser Sommer nun wirklich nicht. Obwohl mir persönlich die Temperaturen an sich während der ganzen grauen und regnerischen Tage zwar nix ausmachen, rufe ich doch ab und zu mal: „Sonne, wo bleibst Du?“ Und kaum kommt die Sonne dann doch mal raus, ist die Luftfeuchtigkeit so hoch, dass man glaubt irgendwo in den Tropen gelandet zu sein… so wie heute. Oder gestern. Fast so, als wäre man auf der Insel von LOST oder so (nur dass die dort wesentlich mehr Sonne hatten).

Das erste-Hilfe Mittel Nummer eins bei miesem Wetter und trüber Stimmung (oder sonstigen Dingen, die vielleicht gerade doof sind) ist und bleibt: gutes Essen. Hilft immer, tut immer gut. Und was gibt es da besseres, als so ein typisch französisches Wohlfühl-Gericht, dass nicht nur satt, sondern auch unglaublich glücklich macht.

Nachdem wir vor etwa zwei Wochen beschlossen hatten Coq au Vin auch endlich einmal auszuprobieren, haben wir uns an einem regnerischen Samstag vor nun schon zwei Wochen daran getraut. Zuerst haben wir uns mit den Zutaten eingedeckt: Huhn, Pilze, Zwiebeln, Butter. Und Wein. Ganz viel Wein! Nicht zu vergessen Cognac. So ein Hühnchen mit klassischen Coq au Vin muss nämlich nicht nur so richtig betrunken gemacht, sondern auch flambiert werden.

Flambieren tun die Franzosen bevorzugt mit Cognac, einem leckeren Weinbrand, der leicht an Whiskey erinnert und doch um einiges weicher, runder… unserer Meinung nach sogar fast noch leckerer ist. Und was die Franzosen beim Kochen und Essen mögen, muss ja gut sein!

Um eine gute Nahrungsmittelkontrolle vor dem Kochen durchzuführen – man muss seine Zutaten immerhin auf Herz und Nieren überprüfen – haben wir den Cognac erst einmal vorgekostet. Und mei, war das fein! Im Keller haben wir aus den Untiefen der Gläsersammlung noch alte und fantastische Cognac-Schwenker gefunden. Was hat das geduftet aus den Gläsern! Herrlich!! Cognac allein schmeckt also schon einmal wunderbar lecker. Check!

Mischt man das nun mit einer halben bis ganzen Flasche (!) gutem Wein, einem unschuldigen Huhn, Geflügel-Fond und ein wenig Gemüse, dann kommt dabei etwas heraus, das… ich kann’s kaum beschreiben… sooo unglaublich lecker ist, dass man wahrscheinlich für den Rest seines Lebens nichts anderes mehr essen möchte. Vor allem in der Sauce möchte man für alle Ewigkeit baden. Logisch – ist ja auch eine Flasche Wein drin. Und ein gutes Eckchen Butter. Ein Hoch auf Hüftgold vom Feinsten!

Coq au Vin ist eines der klassischen französischen Gerichte überhaupt. Somit steht es beispielsweise auch in dem wunderbaren Kochbuch „Mastering the Art of French Cooking“ von Julia Child. Hier haben wir sogar gelernt: Das Gericht lässt sich mit jedem Lieblingswein zubereiten, egal ob Rot oder Weiß – Rotwein macht das Ganze aber um einiges pfiffiger und ist somit auch die klassische Variante.

Es klingt recht aufwändig, fast schon kompliziert, wenn jemand Dir erzählt: „Heute gab’s bei mir Coq au Vin“. Ist es aber gar nicht. Ehrlich! Denn das Gericht ist unglaublich einfach zuzubereiten. Versprochen! Und so geht’s:

Man benötigt für 2 Personen lediglich:

  • 1 Huhn, in 6 Stücke zerteilt. Wir haben aus Ermangelung eines zerteilten Huhns einige kleine Schenkel (2-3 pro Person) gekauft
  • ein Stück Speck (normalerweise immer bei uns in irgendeiner Ecke im Kühlschrank vorzufinden – aber diesmal vergessen einzukaufen – also war bei uns mal keiner drin)
  • Salz und Pfeffer
  • Olivenöl
  • Butter
  • ein Schuss Cognac
  • Rotwein. 1 Flasche! Am besten einen Pinot Noir (Burgunder), aber falls Ihr einen anderen Wein, vielleicht sogar einen weißen wollt: nur zu!
  • 400 ml Geflügelfond
  • 1 geschälte und fein gehackte oder zerstoßene Knoblauchzehe
  • 2 EL Tomatenmerk
  • ein großes und ein kleines französisches Kräutersträußchen, bestehend jeweils aus fest zusammen gebundenen folgenden Kräutern: Thymianzweige, Rosmarinzweige, Lorbeerblatt und Petersilienstengeln
  • ein paar kleine Zwiebeln oder Schalotten, geschält und auch das „haarige“, wurzelige Ende abgeschnitten
  • 1/4 l Brühe
  • ein paar kleine Pilze, Champignons oder Pfifferlinge
  • ein bisschen glatte Petersilie
  • Weißbrot

Das Fleisch abwaschen und trocken tupfen. Den Speck in „Lardons“ schneiden. Die sind 0,3-0,5 mm breit und hoch und bis zu 4 cm lang. In einer ausreichend großen Kasserolle 1 EL Butter und 1 EL Olivenöl erhitzen. Den Speck darin bis zu 5 Minuten rund herum anbraten. Den Speck heraus nehmen und das Huhn hinein legen. 5-10 Minuten lang im heißen Fett bräunen, dabei mindestens ein Mal wenden, so dass das Fleisch von allen Seiten eine schöne Bräunung abbekommt. Das Huhn rund herum mit Salz und Pfeffer würzen.

Den Speck wieder hinein geben. Ebenso einen guten Schuss Cognac. So – jetzt wird es spannend. Hochsicherheitsmaßnahmen treffen: Am besten das Gesicht abwenden während man versucht mit einem angezündeten Streichholz den Cognac zu treffen. Zumindest sollte man den Kopf hierbei nicht direkt über den Topf oder Brater halten, wenn man an seinen Haaren und Augenbrauen hängt.

Beim Flambieren – wenn möglich – den Topf/Bräter oder sonstiges Behältnis schwenken. Wir haben einen recht großen und auch schweren und gusseisernen Bräter, den wir während dem Flambieren etwas durchgerüttelt haben.

Sind die Flammen verloschen (schnuppert jetzt unbedingt mal, wie lecker das nun aus dem Topf riecht!) kommt der Wein dazu: Die gesamte Flasche. Weint keinem Tropfen, der dafür nicht im Glas landet hinterher – das schmeckt am Ende fantastisch! Ebenso den Fond in den Topf/Bräter… was auch immer gießen. Das Huhn sollte nun möglichst gerade so oder zumindest fast bedeckt sein. Ansonsten noch Flüssigkeit nachgießen, wie etwas Wasser (wenn’s nur wenig ist) ansonsten noch etwas mehr Fond.  Ebenso kommt das größere Kräutersträußchen dazu, wie Tomatenmark und Knoblauch.

Das Ganze nun aufkochen, den Deckel drauf, und bei niedriger bis mittlerer Temperatur nun eine halbe Stunde lang sanft köcheln lassen, bis das Fleisch durch ist (wenn es sich zum Beispiel mit einer Gabel gut von den Knochen lösen lässt, ist es durch).

Nebenbei Zwiebeln und Pilze vorbereiten:
Die geschälten Zwiebeln in einem Topf mit 1 TL Butter und 1 TL Öl rund herum bei mittlerer Temperatur bräunen. ihr werdet kaum eine gleichmäßige Bräunung bekommen, da die Zwiebeln an den runden Stellen immer zur Seite kugeln, aber versucht dennoch es so gleichmäßig wie möglich hinzubekommen. Nach 10-15 Minuten die Zwiebeln mit 1/4 l Brühe aufgießen, das kleine Kräutersträußchen dazu, Deckel auf den Topf legen, Temperatur auf niedrig stellen, dass es gerade so noch sanft köchelt und für 30 Minuten garen lassen. Danach die Zwiebeln heraus nehmen und bei Seite stellen oder bis zur Verwendung im Sud lassen; allerdings vom Herd nehmen.

1 EL Butter und 1 EL Olivenöl in einer Pfanne richtig heiß werden lassen, bis es anfängt leicht zu dampfen. Die Pilze hinein geben und für ein paar Minuten darin schwenken oder unter häufigem Rühren bräunen. Das Fett werden sie sehr schnell aufsaugen, das geben sie nach einer Weile aber wieder ab. Nach ein paar Minuten, wenn das Fett wieder aus den Pilzen tritt, die Pfanne vom Herd nehmen und die Pilze in eine Schüssel füllen. Beiseite stellen.

Ist das Huhn durch kommt es aus dem Topf in eine Schüssel oder auf einen Teller. Die Sauce im Bräter stark aufkochen. 2 EL weiche Butter mit 2 guten EL Mehl verrühren und die Mischung mit einem Schneebesen unter die Sauce rühren. Die Sauce so lange kochen lassen, bis sie sehr stark eingekocht ist. Sie sollte ganz gaanz leicht dickflüssig sein am Schluss, so dass sie leicht an einem Löffel haften bleibt, den man hinein taucht.

Das Einkochen dauert eine kleine Weile, aber haltet das durch und Ihr werdet belohnt werden!

Ist sie genügend eingekocht und eingedickt, dann kommt das Fleisch wieder hinein, ebenso die Pilze und die Zwiebeln. Fleisch und Gemüse mit Sauce begießen.

Nun das Ganze am besten für ein paar Stunden stehen lassen, damit alles so richtig durchziehen und Aroma annehmen kann.

10 Minuten, bevor Ihr essen wollt, die leckere Sache im Bräter bei mittlerer bis hoher Temperatur erhitzen und ca. 5 Minuten lang aufwärmen. Auf Teller verteilen, mit Petersilie garnieren und zusammen mit Brot und einem passenden Wein servieren. Am besten passt immer der Wein, der auch in der Sauce ist, aber Ihr könnt auch gern einen anderen nehmen.

Und nun – ganz wichtig: mit Meeeetern an Brot diese herrlich-traumhafte Sauce auftunken. Augen verdrehen vor Glück und weiter tunken. Sich am Leben und leckeren Essen erfreuen. Und die Sauce möglichst gerecht teilen, bevor noch Streitereien darum entstehen 🙂

Bei uns ist sogar etwas Sauce übrig geblieben. Die haben wir samt der darin vorhandenen Pilze am nächsten tag als Nudelsauce verwendet. Mjammmmmmm!

Advertisements