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Ja, ich geb es ja zu: ich bin infiziert. Und zwar vom Twin Peaks Fieber. Wahrscheinlich stöhnen jetzt erst einmal viele von Euch auf: „Och nö,… so ne olle Kamelle…!“. Diese Serie hat schon seit der Erstausstrahlung ihrer Pilotfolge am 8. April 1990 viele Fans der Film- und Fernsehserienkunst begeistert und die Beliebtheit hat über die Jahre hinweg nicht nachgelassen. Eher im Gegenteil. Die Twin Peaks Community wächst noch immer, wenn auch natürlich nicht mehr so stark wie vor 20 Jahren, und die Fans sind treu. Hier geht es beispielsweise zur deutschen Community im Internet.

Twin Peaks beginnt als „harmlose“ Krimiserie: Laura Palmer wird in der amerikanischen Gemeinde Twin Peaks an der kanadischen Grenze tot aufgefunden: Sie wurde ermordet. Die Ortsansässigen stürzen sich in ihre Trauer um Laura und schließlich erscheint ein Agent vom FBI um den Fall aufzuklären.

Special Agent Dale Cooper, wunderbar herrlich gespielt von dem damals noch sehr jungen Kyle MacLachlan, ist wohl einer der liebenswürdigsten Charaktere der Filmgeschichte. Anstatt sich der Gemeinde Twin Peaks aufzudrängen und knallhart als FBI-Agent durchzugreifen, fühlt er sich in dem kleinen Ort wohl und gewinnt mit seiner liebenswürdigen, ehrlich-offenen, unglaublich charmanten und ab und an auch etwas wunderlichen Art das Wohlwollen der (meisten) Bürger und auch eines jeden Zuschauers.

Im Verlauf der Serie wird schnell klar, dass es sich nicht „einfach nur“ um eine Kriminalserie dreht. Der Name David Lynch – Erfinder, Produzent, und teilweise auch Autor und Regisseur der Serie – sagt da wohl am besten aus, was sich nur schwierig beschreiben lässt. Die Serie verblüffte in den 90ern mit innovativen Charakteren, interessanten und oft auch verwirrenden Mystery-Elementen und der Art sich selbst gerade so weit auf den Arm zu nehmen, dass der Zuschauer zugleich verwirrt, aber dennoch hochbegeistert war und dies noch immer ist. Viele Charaktere werden noch heute geliebt und nicht wenige Regisseure haben manche Charaktere in ihren Filmen an diejenigen aus Twin Peaks angelehnt. So beispielsweise soll Quentin Tarantino Elle Driver (Kill Bill) mit einer Augenklappe versehen haben, weil die schrullige Nadine Hurley ebenfalls eine trägt. Über viele Rätsel und Zusammenhänge innerhalb dieser Serie und dem dazugehörigen Film Fire, Walk With Me diskutieren die Fans bis heute. Die Antworten weiß wahrscheinlich, wenn überhaupt, nur der Meister: David Lynch selbst.

Ich könnte jetzt hier noch stundenlang darüber schreiben, was ich an der Serie liebe; meine Lieblingsmomente, Lieblingszitate,… aber um Euch den ellenlangen Text zu ersparen, lasse ich das mal. Die Fans unter Euch haben wahrscheinlich die gleichen oder ähnliche Lieblingsszenen und -Zitate und fragen sich neben dem Lesen hier wahrscheinlich sowieso wo ihre DVDs gerade sind und wann man die Serie als nächstes wohl gucken könnte. Japp, meine Golden Box mit beiden Staffeln, liegt auch schon neben mir und wartet auf erneuten Einsatz. Einmal im Jahr (mindestens!) ist Pflicht: Komplettprogramm. Mitfiebern mit „Coop“. Sich mit ihm freuen und trauern. Bis zum bitteren Ende.

Aber bevor ich hier noch melancholisch werde: Auf zum Rezept. Nämlich dem „sagenhaften“ Kischkuchen. Eine der Nebencharaktere in Twin Peaks, Norma Jennings, leitet das RR und tischt ihren Gästen dort den angeblich besten Kirschkuchen der Welt auf. „Damn, this pie is good!“ – Verdammt, ist dieser Kuchen lecker! – heißt es gleich in mehreren Folgen und ist jedes Mal ein absoluter Lacher (zumindest für mich – ich find den immer wieder rein geworfenen Satz einfach klasse!).

Natürlich ist das „offizielle“ Rezept nirgendwo aufgeschrieben. Dafür gibt es aber zahlreiche Rezepte für amerikanischen Kirschkuchen im Allgemeinen. Glück gehabt! Also hab ich meine eigene Version zusammen gestellt und somit meine allererste Pie überhaupt gebacken. Klasse, wa? Und lecker ist die geworden! Mein Schatz, der heute Vormittag noch meinte „Kirschkuchen mag ich eigentlich nicht so besonders“ hat von dem warmen und frisch fertigem Kuchen nicht weniger als 3 Stücke begeistert verputzt und auch ich könnte mich glatt reinlegen. Die Füllung erinnert vom Geschmack her an Kompott und der krustige Teig dazu ist einfach himmlisch!

Ihr braucht für 1 Pie (Form ca. 28 cm Ø):

Für den Boden und den Deckel:
350 g Mehl (2cups)
225 g Butter in Stücken (2/3 cup)
5 – 10 EL kaltes Wasser
1/2 – 1TL Salz

Für die Füllung:
750 g Kirschen. Achtet auf eine gute Qualität bei den Kirschen. Es können auch gerne Sauerkirschen sein!
150 – 300 g Zucker (je nach Säure der Kirschen und wie süß Ihr den Kuchen am Ende haben mögt)
40 g Mehl
1 TL Zimt
1Prise Salz
wenn Ihr mögt noch einen Schuss Alkohol, beispielsweise ein roter Dessertwein, Port oder Brandy… worauf Ihr Lust habt

Zuerst wird der Teig vorbereitet:
Mehl und Butter mit Salz in eine Schüssel geben. Gut vermischen und die Butter in das Mehl einarbeiten. Das Wasser in Schüben dazu geben und zwischendrin gut verarbeiten. So lange weiter machen, bis Ihr eine glatte, geschmeidige aber feste Teigkugel habt, die sich später gut ausrollen lässt. Den Teig für ca. 1 Stunde in den Kühlschrank stellen.

Nebenbei die Kirschen entsteinen. Wer, wie wir, keinen Entkerner dafür zu Hause hat, kann sich mit einem alten Hausfrau-Hilfsmittel an die Arbeit machen: einer Sicherheitsnadel, einer Haarnadel oder Ähnlichem. Der Draht muss eine Art Schlaufe haben, stabil, und gut greifbar sein. Mit der Schlaufe in die Kirsche pieksen (dort hinein, wo der entfernte Strunk ein Loch hinterlassen hat) und mit der Schlaufe nach dem Kern fischen. Das dauert etwas bei so vielen Kirschen, aber nach ein wenig Übung kriegt man das immer flotter hin.

Den Backofen auf 220°C Ober- und Unterhitze vorheizen. Den Teig aus dem Kühlschrank holen und halbieren. Die eine Hälfte kreisförmig ausrollen, so dass der Boden und der Rand der Pieform abgedeckt werden können. Den Teig an den Rand drücken und eventuell überstehenden Teig abscheiden.

Und nun geht’s an die Füllung:
Zucker, Mehl Zimt und Salz in einer kleinen Schüssel verrühren und zusammen mit den Kirschen in eine große Schüssel füllen.

Alles gründlich miteinander vermischen. Wer mag gibt noch 1-3 EL vom Alkohol dazu. Und wer es etwas sauer mag kann auch mit 1-2 EL frisch gepresstem Zitronensaft nachhelfen.

Wir haben da einen leckeren Dessertwein aus Frankreich genommen, den es auch am späten Abend unserer Hochzeit gab. Total fein!

Die Kirschmischung auf den Teigboden geben.

Den übrigen Teig ausrollen und entweder den gesamten Kuchen damit bedecken (an den Rändern schön andrücken!) und mit ein paar Einstichen versehen, damit der Dampf beim Backen entweichen kann. Oder auf dem Teig mehrere Streifen schneiden und diese in einem kreuz- und quer Muster auf die Pie geben. Auch gut an den Rändern andrücken und eventuell überstehenden Teig abschneiden.

Für 25 Minuten bei 220 °C backen, dann die Temperatur auf 180°C herunter schalten und für weitere 20-30 Minuten backen.

Am besten warm servieren, vielleicht sogar mit einem Klecks Crème fraîche, dazu einen schwarzen Kaffee trinken (so schwarz wie die Nacht in einer mondlosen Nacht – na, wer hat’s gesagt?), die Filmmusik von Angelo Badalamenti oder am besten gleich die Serie selbst anwerfen und genießen.

Ach ja: Und ab und zu total verblüfft innehalten und vor lauter Freude rufen: „Damn, this pie is good!“

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