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Manche Sachen sind so verrückt, dass man sie einfach ausprobieren muss. Finde ich zumindest. So ist es auch diese Woche dazu gekommen, dass ich eine ganz neue Verrücktheit ausprobiert habe. Ich habe nämlich eigene Kosmetik hergestellt. Ohne Chemie. Ohne Konservierungsstoffe, Farb- oder Duftstoffe.

Dazu gekommen ist es durch meine Haare. Oder vielmehr meine Kopfhaut. Seit vielen Jahren kämpfe ich nun schon mit trockener Haut und Schuppen und ich habe über die Jahre hinweg viel ausprobiert. Schuppenshampoos habe ich nie vertragen und sie haben mir nie geholfen, sondern es eher noch schlimmer gemacht. Letztendlich haben mir auch die teuren Mittelchen vom Friseur nicht geholfen, auch wenn die Haare selbst deutlich besser aussahen.

Und diese Woche war es bei mir so weit: Die Schuppen waren schlimmer denn je und der Kopf hat super gejuckt. Nun bin ich keinesfalls eitel, aber wenn es um meine Haare geht, hört der Spaß bei mir auf und juckende Schuppen machen einfach keinen Spaß. Somit habe ich angefangen zu googlen. Naturkosmetik habe ich schon immer am besten vertragen. Also habe ich begonnen mich darin einzulesen. Erst wollte ich ein Shampoo von Dr. Hauschka ausprobieren. Die sind jedoch vor ein paar Monaten komplett vom Markt genommen worden – Produktion vorerst eingestellt. Blöd.

Also weiter umgehört. Schließlich, nach vielen Stunden lesen, einigen Besuchen in Apotheken, die mich mit Proben zugeschüttet haben, welche mich laut Inhaltsangaben auch nicht überzeugt haben, und einem Besuch im Reformhaus habe mir von Weleda ein Rosmarin Shampoo und die Neem Ölkur von Hauschka geholt. Doch vorerst wollte ich etwas anderes ausprobieren, auf das ich bei meiner Suche nach Rat gestoßen bin: Selbst gemachtes Shampoo und Spülung aus Zutaten, die eigentlich jeder Mensch in der Küche hat: Ei, Honig, Zitrone, Wasser, Essig. Frei nach dem Naturkosmetik-Rezeptebuch von Stephanie Faber. Schon Pippi Langstrumpf hat gesagt Ei ist gut für die Haare – und was sie sagt, muss ja stimmen *hihi* Aber Spaß beiseite: Selbst Kaiserin Sissi soll ihre Mähne mit Ei gewaschen haben!

In der Apotheke wurde mir beim Aushändigen einer Probe von dem wohl teuersten Shampoo in der Apotheken ganz stolz erzählt: „Das Shampoo ist mit feinem Honig und mit natürlichem Olivenöl angereichert“… Na super: angereichert! Honig habe ich zu Hause und Olivenöl sowieso. Also bin ich nach Hause und habe losgelegt.

Für dieses Projekt habe ich natürlich keine teuren Bio-Eier benutzt; das wäre mir dann zum Testen (bzw. nicht zum Essen) doch etwas zu heftig gewesen.

Das Ei-Shampoo ist schnell zusammen gerührt und sollte auch immer direkt vor der Verwendung gemixt werden, denn es verdirbt recht rasch:
1 Ei und 1 Eigelb mit 1 TL flüssiger Honig sehr gut miteinander vermixen, bis Honig, Eiweiß und Eigelb nicht mehr voneinander zu unterscheiden sind und langsam schaumig werden. Nun langsam den Saft von 1/2 bis 1 Zitrone unter Rühren zugeben. Wer keine Zitronen im Haus hat, kann zur Not auch Apfelessig (1-2 EL) nehmen. Wer trockene Haare und/oder Kopfhaut hat sollte zudem bis zu 1 TL Öl (beispielsweise Olivenöl ist super geeignet, andere Möglichkeiten sind Mandel- oder sogar Sonnenblumenöl) langsam dazu rühren. Das vermindert zwar etwas die Waschleistung, pflegt aber traumhaft gut und versorgt Haare und Kopfhaut mit super viel Feuchtigkeit und Glanz. Nehmt auf keinen Fall mehr als den einen TL Öl, sonst bekommt Ihr eine Art Mayonnaise, die zwar super als Haarkur, allerdings nicht als Shampoo geeignet ist. Die Kur wird vor dem Waschen im feuchten Haar verteilt und mit Folie abgedeckt. Dann wird ein Handtuch um den Kopf gewickelt. Die Kur sollte mindestens 30 Minuten einwirken und anschließend mit Shampoo ausgewaschen werden.

Zurück zum Ei-Shampoo: Zum Ausspülen benötigt Ihr zusätzlich eine Essigspülung („saure Rinse“):
In einen leeren, sauberen 1-Liter-Behälter mit kleiner Öffnung (beispielsweise eine Wasserflasche) 1-2 EL Apfelessig geben und den Rest mit Leitungswasser auffüllen.

Shampoo und Essigwasser mit ins Bad nehmen, die Haare anfeuchten und nun langsam die Eimischung auf Kopfhaut und Haare geben. Gut einmassieren – es schäumt natürlich nicht, das ist anfangs ein komisches Gefühl – und dann für gute 5 Minuten einwirken lassen. Das ist wichtig, denn das Shampoo braucht seine Zeit um wirken und reinigen zu können. Nach ein paar Minuten die Haare mit warmem, aber nicht super heißem Wasser (sonst stockt das Ei ;)) sehr gründlich ausspülen. Länger als bei gewohntem Shampoo, damit wirklich alles rausgewaschen wird! Habt Ihr fertig geduscht, stellt Ihr dann das Wasser ab und lasst Euch sehr langsam das Essigwasser über den Kopf rinnen. Nicht ausspülen! Und auch nicht abwaschen, der Haut tut die Mixtur nämlich ebenfalls sehr gut! Und keine Sorge wegen dem Geruch, der verfliegt beim Trocknen.

So seltsam und verrückt das Rezept klingen mag – ich habe anfangs auch nur den Kopf geschüttelt, als ich darauf gestoßen bin – es hat geholfen: Die Schuppen waren schon nach dem ersten Haare waschen fast völlig weg und das Jucken auf der Kopfhaut war völlig verschwunden. Meine Haare sahen danach wunderbar glänzend aus und haben sich total toll angefühlt. Und auch nach der zweiten Anwendung (ein paar Tage danach) bin ich immer noch begeistert.

Natürlich wäscht dieses Shampoo keinen groben Schmutzt aus den Haaren. Den sollte man vor oder nach dem Waschen ausbürsten. Allerdings wäscht es durch die waschaktiven Substanzen im Ei tatsächlich das Fett aus den Haaren und von der Kopfhaut, pflegt dabei wunderbar und macht die Haare weich, glänzend und versorgt sie mit viel Feuchtigkeit, wenn man etwas Öl hinein gerührt hat. Und bei trockenen Schuppen wirkt es wahre Wunder.

Ich werde das Ei-Shampoo nun häufiger anrühren und im Wechsel mit dem Rosmarin Shampoo von Weleda benutzen. Meine Haare sind froh – und ich auch.

Probiert es ruhig auch mal aus – es klingt anfangs zwar wirklich verrückt, aber es lohnt sich!

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