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Ja, wow! Dies ist tatsächlich schon mein 111. Beitrag auf diesem Blog. Dies ist eine so schöne Zahl, dass das irgendwie gefeiert werden muss. Und was passt da besser als dies mit einem Film-Rezept zu tun?

111 erinnert mich immer an Der Herr der Ringe – genauer gesagt an den ersten Teil Die Gefährten und die Szene in der Bilbo Beutlin seinen „Einhundertelfzigsten“ Geburtstag feiert. Im Buch feiert Bilbo diesen Geburtstag sogar zusammen mit dem 33. Geburtstag von Frodo.

Für mich ist Der Herr der Ringe (sowohl als Buch als auch als Film) ein Meisterwerk und ich bekomme einfach nicht genug davon. Besonders gern lese ich die alte Übersetzung von Margaret Carroux (hier fallen nicht nur die Bücher aus den 70er Jahren, sondern auf die dazugehörige tolle Mittelerde-Karte zum Studieren schon bald aus dem Leim). Oder ich schaue mir die tollen Langfassungen der drei Filme an – diese allerdings unbedingt auf englisch.

Somit bin ich auch schon riesig auf die Verfilmung von Der kleine Hobbit gespannt und kann es kaum noch erwarten den ersten Teil in diesem Winter im Kino sehen zu können. Allein beim Anschauen des herrlichen Trailers bekomme ich immer eine Gänsehaut, werde quasi Hals über Kopf in das wundervolle Mittelerde hinein gesogen und freue mich über jeden Beitrag von Peter Jackson auf dem Hobbit-Blog, der neue Einblicken liefert. Ach ja – bald ist es soweit!

Ich könnte stundenlang darüber berichten, warum ich diese Bücher und auch Filme so toll finde – angefangen beim tollen Erzählstil von Tolkien und der gesamten Welt, die sich dahinter verbirgt samt Geschichte, Sprachen, Kulturen und Bräuche… Bis hin zu der einfach grandiosen Umsetzung von Peter Jackson, dem es anfänglich niemand zutraute, dass er sein Vorhaben jemals schaffen würde. Kein Wunder, wenn man an Jacksons erste Filme denkt: Braindead beispielsweise, einer seiner ersten Filme aus dem Jahr 1992, ist mit dem meisten Kunstblut zur damaligen Zeit ein ziemlich skurril-ekeliger Horror-Film und in Deutschland ist bis zum heutigen Tage die Verbreitung des Films verboten.

Dennoch saßen im Dezember 2001 und auch in den darauf folgenden Monaten Millionen an Fans in den Kinosäalen (alleine in Deutschland lockte der erste Teil über 11 Millionen Zuschauer in die Kinos) – darunter auch ich mit meiner Freundin Eva – und waren begeistert von diesem fantastisch umgesetzten Film. Die folgenden Teile waren nicht weniger erfolgreich und toll mizuerleben. Bis heute kann ich nicht anders als die Filme abgöttisch zu lieben und mich jedes Mal erneut in ihnen zu verlieren, sobald der Vorspann beginnt und Galadriel dem Zuschauer über Den Einen Ring zu erzählen beginnt… bis zum letzten Schluss in dem Frodo die Grauen Anfurten verlässt.

Zweimal war ich inzwischen in der Herr der Ringe Ausstellung – einmal in London, kurz vor der Veröffentlichung des zweiten (?) Teils und einmal ein paar Jahre später zusammen mit meinem Schatz in Potsdam im Filmpark Babelsberg. Jedes Mal war es einfach ein fantastisches Erlebnis inmitten der Originalkostüme und der Ausstattung herum zu gehen und mir alles in Echt und aus der Nähe anzusehen zu können.

Fan-Artikel gibt es natürlich zu Haufe, aber die Originale betrachten zu können, ist einfach toll. Neben so bekannten Fan-Artikeln wie Arwens Kette, Galadriels Ring und natürlich Dem Einen Ring (von dem ich auch eine Version habe) gibt es sogar ein Kochbuch: Rezepte aus dem Auenland heißt es und ist schon seit einer Weile leider vergriffen. Wenn man Glück hat, kann man ein gebrauchtes Exemplar ergattern, aber der Preis hat es da ziemlich in sich und ich kann nicht sagen, ob sich die Investition lohnt oder nicht – ich besitze dieses Kochbuch leider nicht.

Dennoch muss man deswegen ja nicht verzweifeln. Nöö! Im Internet finden sich zahlreiche Rezepte, die man beim Eingeben in Suchmaschinen schnell findet und sich so durch ganz Mittelerde kochen kann.

Denkt man ans Essen in Der Herr der Ringe, fallen einem gleich mehrere Episoden ein. Die meisten Szenen sind – wie könnte es auch anders sein – mit Hobbits: Bei der Einführung über das lustige Völkchen, bei Bilbos Geburtstagsfeier, auf der Reise im Wald, dann auf der Wetterspitze, in Isengart und auf dem Weg nach Mordor… nur um ein paar zu nennen.

Doch es gibt auch andere Szenen: angefangen bei Eowyns Eintopf, bei dem ich jedes Mal denke, dass ich eigentlich nicht wissen will, was da drin ist, Denethors Mahlzeit im 3. Teil, dem seltsamen Wasser bei Baumbarts zu Hause oder den vielen anderen Stellen.

Bei der Vorbereitung für diesen Beitrag habe ich lange überlegt, was ich denn genau kochen und dann auch hier vorstellen möchte. Letzten Endes habe ich mich für Lembas entschieden. Sucht man Lembas Rezepte im Internet, findet man zahlreiche Einträge, doch ich wollte hierzu meine eigene Variante vorstellen. Genauer gesagt sogar zwei Varianten.

Doch zuallererst muss man sich erst einmal fragen: Was ist Lembas eigentlich genau? Lembas ist das Brot der Elben und es wird nicht nur als “Wegbrot” benutzt, sondern auch so übersetzt. Ja, sogar ein Elbisch-Wörterbuch ist bei uns in der Büchersammlung vorzufinden. Lembas ist sehr lange haltbar, sättigend, in der Konsistenz wahrscheinlich eher trocken und auch etwas krümelig, (eben da es sich lange hält) und soll so ziemlich das leckerste sein, was Mensch, Elb, Zwerg oder Hobbit essen kann. Also ist es wahrscheinlich auch gut gewürzt.

Zwei Sorten Brot, die fast all diese Eigenschaften gut erfüllen, sind das gute, alte Knäckebrot und der Zwieback, wobei dieser meist weniger gewürzt ist, als manche Knäckebrot-Sorten.

Knäckebrot stammt ursprünglich aus Schweden, Zwieback hingegen haben bevorzugt die Römer und Griechen als Reiseproviant genutzt. Beide Brotsorten waren so beliebt wegen der langen Haltbarkeit. Man konnte einen großen Vorrat produzieren, der (richtig gelagert) mehrere Monate lang frisch blieb. Fast schon ein Luxus zur damaligen Zeit.

Während Knäckebrot sehr beliebt ist, hat Zwieback bei vielen oft einen kleinen Beigeschmack. Wahrscheinlich wegen der häufigen Verwendung bei Krankheiten und Magen-Darm-Verstimmungen. War man als Kind krank, wurde einem bevorzugt Zwieback gereicht, dazu eine Tasse Tee. Ich erinnere mich deutlich daran, als ich als Kind mal im Krankenhaus lag, unbedingt was essen wollte und Durst hatte. Und dann kam die Schwester ins Zimmer: Mit einer Kanne ordentlich gesüßtem Kräutertee, dessen Geruch und Geschmack ich bis heute noch grauslich finde, und einer Scheibe Zwieback. Nicht gerade das, was man in dieser Situation als erstes auf seinem Speiseplan vorzufinden wünscht. Die gut gemeinte Erklärung „Das ist gesund und wird Dir gut tun!“ ist einem als Kind in dieser Situation herzlich egal, ebenso wie die „angeblich so stärkenden Kräfte“ von Spinat. Egal, wie lecker Popeye den findet und wie toll er nur durch dessen Konsum Olivia immer wieder auf‘s Neue retten kann. Und irgendwie bleiben diese Zwieback-Erinnerungen einem haften, genau so wie die Abneigung gegenüber dem unschuldigen Gebäck.

Schade eigentlich, denn Zwieback ist sehr vielseitig. Man kann ihn zerkrümeln und statt Keksen als Kuchenboden für leckere Käsekuchen benutzen, man kann ihn mit leckerem Aufschnitt belegen oder Aufstrichen versehen. Man kann ihn statt Chips knabbern, eventuell noch etwas Dip dazu reichen, in Milch oder andere leckere Sachen tunken… Soo viele Möglichkeiten.

Obwohl ich selbst auch deutlich ein Fan des Knäckebrotes bin, finde ich dass der Zwieback eine zweite Chance verdient hat. Somit gibt es heute also zusätzlich zum Knäckebrot-Rezept à la Ylva auch ein zuckerwattiges Rezept für Zwieback. Beides ordentlich gewürzt, denn immerhin soll Lembas ja unglaublich lecker schmecken und außerdem ist September… da darf man langsam etwas großzügiger mit Gewürzen hantieren.

Bevor es nun los geht, noch ein kleiner Exkurs in die Backstube:
Knäckebrot wird hergestellt, indem es bei hoher Temperatur kurz gebacken wird.
Bei Zwieback hingegen sagt schon der Name über die Produktion aus: Erst wird ein „ganz normales Brot“ (Einback genannt) gebacken. Dieses wird anschließend am besten für 1-2 Tage ruhen gelassen, damit es die perfekte Konsistenz zum Schneiden hat. Dann wird das Brot in Scheiben geschnitten und im Backofen erneut gebacken und dabei getrocknet.

Fangen wir also an. Zuerst – um ihm eine zweite Chance zum Durchstarten zu geben – mit dem Zwieback.

Für 1 Portion Zwieback aus 1 Brot benötigt Ihr:

  • 250 g Mehl
  • 25 g Butter
  • 100 ml Milch
  • 50 ml Wasser
  • 1 TL Zucker
  • 1 EL Honig
  • 1/2 TL Salz
  • 2 TL Gewürze, bestehend aus Zimt, Zimtrinde, Anis, ich habe hier die Gewürzmischung Quatre Épices von Ingo Holland genommen. Dies setzt sich zusammen aus: schwarzer Pfeffer, Zimtrinde, Macis, Sternanis, Korianderkörner, Gewürznelken, Zimtblüten, Piment, Galgant.
    Wow sag ich da nur!
  • 20 g frische Hefe (1/2 frischer Hefewürfel , ersatzweise 1 Päckchen Trockenhefe)

Die Butter in einem kleinen Topf schmelzen lassen, die Herdplatte ausschalten. Milch und Wasser, sowie Honig unterrühren und abkühlen lassen. Mehl, Zucker, Salz und Gewürze derweil in eine Schüssel geben. Ist die Buttermischung handwarm, die Hefe hinein bröckeln und verrühren. Dann die Mixtur unter das Mehl rühren und zu einem homogenen Brotteig verkneten.

Die Schüssel mit einem trockenen, sauberen Tuch abdecken und den Teig an einem warmen, windgeschütztem Ort in etwa auf‘s Doppelte aufgehen lassen (siehe Bild oben). Bei mir hat das ca. 45 Minuten gebraucht.

Eine Kastenform mit Butter einfetten und mit etwas Mehl ausgleiten. Den Teig kurz durchkneten, in die Form geben, erneut mit einem Tuch abdecken und noch einmal für eine Stunde ungefähr gehen lassen. In der Zwischenzeit den Backofen auf 200°C Ober- und Unterhitze oder 180°C Umluft vorheizen.

Die Kastenform in den Ofen auf mittlerer Schiene stellen und für 40 Minuten backen.

Das fertig gebackene Brot (Einback) aus dem Ofen holen, kurz abkühlen lassen, aus der Form stürzen und komplett auskühlen lassen. Am besten mit dem nächsten Schritt erst am nächsten oder sogar übernächsten Tag fort fahren, da das frisch gebackene Brot sehr schwierig zu schneiden ist und dabei gern auseinander fällt. Ich habe es heute nicht abwarten können und mit einem sehr guten und sehr scharfen Brotmesser möglichst ohne Druck die Scheiben vorsichtig abgesäbelt. Das ging relativ gut, aber das Brot ist dennoch fast auseinander gefallen dabei. Also lieber etwas warten.

Das fertig gebackene und komplett ausgekühlte Brot in 1 cm dicke Scheiben scheiden. Diese auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen (ruhig eng aneinander, die Scheiben gehen ja nicht weiter auf) und im vorgeheizten Ofen bei 80°C Ober- und Unterhitze für ca. 1 Stunde trocknen lassen, bis das Brot krümelig wird, eine goldgelbe Färbung annimmt und typisch trocken – wie Zwieback eben – aussieht.

Traditionell nach Elbenart wird das fertig gebackene Lembas in Mallornblätter gewickelt. Das ist in unserer Gegend nicht unbedingt möglich (habt Ihr schonmal Mallorn-Bäume gesehen? Wenn ja, bitte bei mir melden – höhö). Aber man kann ja mit anderen, am besten ungiftigen, Blättern nachhelfen. Beispielsweise kann man Blätter eines Feigenbaumes nehmen oder Ähnliches. Ich habe heute eine unserer Rosenkohl-Pflanzen gestutzt.

Und nun zum Knäcke-Lembas

Für 1 Blech (ca. 12 Stück) benötigt Ihr:

  • 200 g Roggenmehl
  • 100 g Weizenmehl
  • 2 TL Salz
  • 1 EL Pflanzenöl1-2 TL Fenchelsaat
  • 1 TL Koriandersaat
  • 1 EL Sesam
  • 1 EL fein gehackte oder gemahlene Mandeln
  • 2 TL Kardamomsaat
  • 200 ML Milch
  • 20 g frische Hefe (= 1/2 frischer Hefewürfel oder 1 Päckchen Trockenhefe)

Koriandersaat, Kardamomsaat und Fenchelsaat in einem Mörser zerstoßen, bis Ihr ein feines Pulver habt. Die Milch in einem kleinen Topf erhitzen, bis sie handwarm ist. Die Hefe hinein bröckeln und unter rühren darin auflösen.

Das Mehl mit Salz, gemahlenen Gewürzen, Sesam und Mandeln verrühren. Die Milch-Hefe-Mischung dazu gießen und alles zu einem homogenen Brotteig kneten.

Die Schüssel mit einem sauberen, trockenen Tuch abdecken und an einem ruhigen, warmen und windgeschützen Ort für etwa 60 Minuten ruhen lassen. Derweil den Backofen auf 250°C Ober- und Unterhitze vorheizen.

Anschließend den Teig noch einmal durchkneten und mit Hilfe eines Nudelholzes so weit ausrollen, dass er etwas kleiner als ein Backblech ist. Den Teig dabei zu einem möglichst gleichmäßigen Quadrat ausrollen.

Dieses Quadrat in 12 möglichst gleich große Stücke schneiden – Ihr könnt dazu ein Messer oder einen Pizzaroller nehmen. Diese Stücke auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen.

Jedes Brotstück mit einer Gabel ein paar Mal einstechen. Das Brot für 8-10 Minuten in den vorgeheizten Ofen schieben.

Fertig.

UPDATE: Ich habe das Knäckebrot gerade so lange gebacken, dass es noch etwas “weich” bzw. krümelig ist. Will man es wirklich knusprig haben, sollte man entweder den Teig dünner ausrollen (beim Backen ging das Ganze bei mir zusätzlich noch gut auf) oder die Brot-Stücke einfach länger im Ofen lassen. Das gerade so trockene, aber dennoch nicht knusprige Brot hat allerdings was. Und heute, nachdem es einen Tag geruht hat und ordentlich durchziehen konnte, schmeckt es beinahe noch besser!

Das Ergebnis: 2 wunderbar herrlich-lecker schmeckende Lembas-Sorten. Ich kann mich gar nicht entscheiden, welche ich besser finde. Das Knäckebrot ist nicht nur super würzig, sondern macht auch unglaublich satt. Ich habe es mit etwas Cheddar gegessen und ein kleines Stück mit einem Ziegenfrischkäse bestrichen. Suuuper lecker! Nach 2 so kleinen Scheiben war ich pappsatt.

Der Zwieback war ein paar Stunden später fertig und da wieder etwas Platz im Bauch war, musste dieser ebenfalls gleich (noch warm quasi) probiert werden. Und wow! Er schmeckt fast so, wie der Zwieback von Brandt aus dem Brotregal im Supermarkt. Nur pfiffiger, da die Gewürzmischung beigefügt wurde. Das gibt dem Brot einen feinen, fast schon winterlich-weihnachtlichen Touch. Unglaublich gut!

Beide “Lembas”-Sorten sollte man übrigens (ob Mallorn-Blätter vorhanden oder nicht) möglichst trocken lagern. So halten sie sich ein paar Monate. Wobei… so lecker, wie sie sind, halten die niemals auch nur einen Monat durch.

Echt genial. Ich wette, da würden selbst Elrond und Legolas auf ein Kaffeekränzchen vorbei schauen! :D

Einen schönen Abend wünsch ich Euch!

NACHTRAG:
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