Das Licht am Ende vom Tunnel und schnell gemachtes Hirschragout mit Rosmarin-Portweinsauce und Öhrchennudeln

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Ein gemütlicher Herbst ist das Traumbild einer Perfektion. Wenn es draußen früh dunkel wird, die Kälte über’s Land schleicht und mit einer langsamen Beharrlichkeit in die Erde dringt, welche erst die Frühlingssonne wieder aufzutauen vermag, und dann auch noch die ersten Nebeldecken die Sicht verschleiern… mag man sich am liebsten in die Wohlfühlzone seiner vier Wände zurück ziehen und die Welt aussperren. Gemütlich-zelebrierte Herbstabende bei Kerzenschein, mit dem Liebsten auf dem Sofa und dazu ein leckerer Wein - vielleicht zur Feier des Tages auch mal ein fast schon zu selten gewordenes Gläschen Port? – der Duft des Bienenwachses in der Luft, mit schöner Musik (vielleicht dieser hier) in den Ohren und am besten noch mit einem schönen Spiel. Das wäre doch was!

In der Realität machen Arbeit und Vorweihnachtszeit aus dieser eigentlich so gemütlich erdachten Zeit ein kleines Wettrennen mit sich selbst. Bei all den Gedanken, die einem da im Kopf herum schwurbeln, muss man sich zwischendrin auch selbst einmal bremsen um ein wenig Abstand zu bekommen. Zu leicht vergisst man in all seinem Tun, dass ein kurzes Päuschen zwischendrin, und sei es noch so winzig klein, das Gemüt hebt, die Kreativität wieder ankurbelt und die Welt von jetzt auf nachher viel entspannter erscheinen lässt.

Da die Zeit knapp ist, halten wir sie auch wirklich kurz, diese Pause. Dennoch: Essen muss der Mensch, auch wenn der Magen vielleicht streikt in Anbetracht des Aufruhrs im Kopf. Und vielleicht bekommt man ja doch ein wenig Appetit, wenn man sich nur selbst auszutricksen vermag. Es hilft schonmal riesig beim spätabendlichen Einkauf an der Theke des örtlichen Metzgers vorbei zu gehen. Derzeit gibt es Wild und was gibt es Besseres im Herbst, als dieses – vom Leben verwöhnten – Stückchen Hirschkeule, das einen da aus der Auslage anlacht?! Im idealsten Fall voll gepackt mit den Kräutern einer glücklichen Existenz auf Wiese, Wald und Flur. Dazu schnell ein paar Nudeln, die gehen nämlich immer. Ersatzweise auch vorgegarte Gnocchi, die man sogar direkt mit dem Fleisch und Rosmarin in der Pfanne anbraten kann. Alles mit reichlich Portwein abgelöscht (da haben wir ihn wieder!) und mit Butter zu einem feinen Sößken gebunden… Und schon sieht die Welt ganz anders aus.

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Schnell gemachtes Hirschragout mit Rosmarin-Portweinsauce und Öhrchennudeln

Zutaten für 2 Portionen

  • 200 g Orecchiette
  • 250 g Hirschkeule, ohne Knochen
  • 50 g Butter direkt aus dem Kühlschrank
  • 3 Zweige Rosmarin, Blätter abgezupft
  • 2 Wacholderbeeren
  • 50 ml Portwein
  • Salz
  • Pfeffer

Zubereitung

Einen Topf mit reichlich Salzwasser zum Kochen bringen. Eine Pfanne erhitzen. Derweil das Fleisch abwaschen, trocken tupfen und in 3 cm große Stücke schneiden. Die Wacholderbeeren grob zerstoßen oder hacken. Die Nudeln ins kochende Wasser geben und al dente garen.

Inzwischen ein kleines Stückchen der Butter in die Pfanne geben. Sobald die Butter geschmolzen ist und nicht mehr zischt das Fleisch und den Rosmarin in die Pfanne geben. Für maximal 3 Minuten scharf anbraten, dabei immer wieder gut rühren oder die Pfanne schütteln.

Mit Portwein ablöschen. Kurz einkochen lassen, bis kaum noch Flüssigkeit in der Pfanne ist, dann die restliche Butter in kleinen Stückchen unterrühren. Mit Salz, Pfeffer und Muskat abschmecken. Die fertig gegarten Nudeln abgießen, zum Ragout in die Pfanne geben. Alles gut durchschwenken und rasch servieren.

Für die (Vor-)Weihnachtszeit: Glögg

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Schon die alten Römer würzten ihren Wein, indem sie diesen mit Honig, Pistazienbaumharz, Pfeffer, Lorbeer und Datteln einkochten, um ihn später wiederum mit noch mehr Wein zu „verdünnen“. Im Mittelalter ähnelte der gewürzte Wein schon viel eher unserem Glühwein, wir wir in heute kennen. Damals trank man ihn jedoch bevorzugt kalt und man glaubte noch, es handle sich um ein Heilmittel. „Hypocras“ – der Glühwein des Mittelalters – wurde, ähnlich dem unseren, mit Wein, Honig, Gewürznelken, Zimt, Kardamom, Ingwer und Orangenblüten hergestellt und erreichte wegen der damaligen Gewürzpreise der dafür verwendeten Luxusprodukte lediglich den Adel am Hof.

Heute müssen wir zum Glück nicht am Königshof residieren um in den Genuss zu kommen und können ihn, wenn wir in der Vorweihnachtszeit nicht gerade auf den ersten Weihnachtsmärkten umher schlendern und ihn dort zwischen dem Geruch frisch gebrannter Mandeln, Räucherkerzen und Lebkuchen genießen, ganz bequem zu Hause selbst zubereiten. Während man den Glühwein in Deutschland hauptsächlich mit Zimt, Gewürznelken, Anis und Zitrusfrüchten anreichert, liebe ich persönlich den Glühwein eher auf die schwedische Art: mit zusätzlich viel Kardamom, Ingwer und noch einem kleinen Schuss Hochprozentigem für extra warme Füße.

Welche Gewürze man auch nimmt – zu stark erhitzen sollte man sein Gebräu dabei nicht, weder beim Zubereiten, noch beim Aufwärmen, denn es verflüchtigt sich dabei nicht nur der wertvolle Alkohol, sondern auch die zugegebenen Gewürze bekommen einen unangenehmen Beigeschmack. Maximal 80°C ist perfekt und dem Ganzen sollte dann mindestens 1 Stunde, wenn nicht gar eine Nacht lang Zeit gegeben werden, damit sich das Gebräu mit den herrlichen Gewürzen vollsaugen kann.

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Der Rest, insbesondere das Mengenverhältnis der einzelnen Zutaten zueinander, ist reine Geschmackssache. So wie unten beschrieben machen wir es im Hause Zuckerwatte jedoch am liebsten. Das Ergebnis ist ein Glühwein, der dem gesetzlich vorgeschriebenen Mindestalkoholgehalt von 7% bei der Handelsware durchaus erfüllt und durch die großzügige Zugabe von Kardamom eine angenehm zitronige Schärfe hat, die sich harmonisch mit dem Zimt vereinigt.

Glögg nach dem Hause Zuckerwatte

Zutaten für 1 Liter (und nein, wir nennen keine Mengenangaben pro Person!)

  • 1 Liter-Buddel trockener Rotwein (wir bevorzugen einen jungen, fruchtigen Rotwein ohne grobe Kanten, den wir am liebsten im italienischen Supermarkt im Nachbarort holen: Merlot, Primitivo, Cabernet, Montepulciano oder Barbera eignen sich ganz gut. Ansonsten kann man auch wunderbar bei den Franzosen nach einem jungen Bordeaux gucken.)
  • 1 daumengroßes Stück Ingwer
  • ca. 20-30 Körner Kardamomsaat (ich greife immer blind in die Dose und fische mit Daumen-, Zeige- und Mittelfinger eine sehr großzügige Prise heraus)
  • 100 g Zucker (oder auch mal Teile davon mit Honig ersetzt)
  • 4-5 Gewürznelken
  • 1 Prise frisch gemahlene Muskatnuss
  • 1 Zimtstange (an einem besonders kalten Tag auch mal gerne anderthalb)
  • 1 Sternanis
  • 1 Stück Orangenzeste, wenn mir danach ist
  • 1 großzügiger Schwupps Wodka nach Augenmaß

Zubereitung

Den Wein entkorken, sicher stellen, dass er nicht verkorkt ist und ab damit in einen ausreichend großen Topf. Den Ingwer samt Schale in dünne Scheiben schneiden, den Kardamom grob im Mörser zerstoßen. Alle Gewürze sowie den Wodka zum Wein in den Topf geben und das Gebräu erhitzen, bis es fast kocht (maximal 80°C ist perfekt).

Den Herd nun ausschalten und den Wein für 1-12 Stunden ziehen lassen. Länger ist auch nicht schlimm, aber wahrscheinlich kaum auszuhalten, da zu verlockend.

Den Glögg erneut auf Trinktemperatur erhitzen und durch ein Sieb in Punschgläser, Grogggläser oder Tassen füllen. Heiß mit Mandeln oder anderen Nüssen nach Wunsch servieren.

Alltagsglück: Kartoffeln mit Kreuzkümmel

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Glück ist ein subjektiver Begriff. Jeder definiert ihn anders, versteht etwas anderes darunter als der nächste und erstrebt somit seine eigene Form des Glücks. Doch was genau ist Glück eigentlich? Für mich ist Glück das Zufrieden sein mit mir selbst, mit meinem Alltag, mit all seinen und meinen Hochs und Tiefs, und dem um mich herum. Herumalbern ohne mich um die Urteile Fremder zu kümmern. Leben (und genießen), wie ich es möchte und dabei nach vorne schauen.

Sich beschweren und jammern über Dinge, die man ändern kann, könnte, will oder auch nicht (mehr), lässt sich immer leicht. Doch tritt man mal einen Schritt zurück muss man sich auch eingestehen, dass es in fast jedem Moment kleine Funken des Glücks gibt, an denen wir uns erfreuen können. Und sei es nur, weil wir mal wieder dazu gelernt haben. Es ist die Sache mit dem Rasen, der auf der anderen Seite des Zauns immer grüner zu sein scheint, da man ihn selbst nicht pflegen muss. Vielleicht ist das zu genügsam, zu bescheiden,… Doch mir reicht diese Form von Glück völlig aus, lässt sie mich nämlich nicht einem utopischen Ideal hinterher eifern, welches wirklich zu erreichen eine Welt ergeben würde, die „zu perfekt“ und für mich somit schon zu langweilig wäre.

Heute bedeutet mir Glück eine Pfanne voll simpler Kartoffelschnitze, gedämpft in mit Kreuzkümmel und Kurkuma aromatisiertem Öl und vollendet mit etwas Chili und Koriandergrün. Für den kleinen Hunger oder eine Beilage reicht da eine faustgroße Kartoffel pro Person aus; ansonsten benötigt man nur Gewürze, frische Kräuter und ein wenig hoch erhitzbares Öl. Schon beim Aromatisieren des Öls breitet sich eine wärmende, duftende Hochstimmung in der Küche aus, die letztlich in einem inneren Jubel endet, wenn man die wunderschön-Kurkuma-vergoldeten, fertigen Kartoffeln schließlich mit leuchtendem Grün und Rot verwöhnt, um ihnen noch den letzten Kick zu verleihen. Perfektes Glück in essbarer Form. Was will man mehr an einem grauen Sonntag im November?!

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Kartoffeln mit Kreuzkümmel

(nach einem Rezept aus „Indien“ von Pushpesh Pant)

Für 2 Personen mit kleinem Hunger

  • 2 faustgroße Kartoffeln (ca. 250 g)
  • 1-2 EL Erdnussöl
  • 1 TL Kreuzkümmelsaat
  • 1/4 TL Kurkuma(-Pulver)
  • 2-3 gute Prisen Salz
  • 1 EL Wasser
  • einige Zweige frisches Koriandergrün
  • grobe Chilischote(n) – Menge je nach der eigenen „Abhärtung“

Zubereitung

Die Kartoffeln schälen bzw. gut waschen um die Schale von Erdresten zu befreien. Einmal längs halbieren, dann in 2-3 mm dicke Scheiben schneiden.

Währenddessen das Öl in eine guss- oder schmiedeeiserne Pfanne geben und erhitzen, bis es fast raucht. Die Temperatur auf mittlere Hitzezufuhr herunter schalten und den Kreuzkümmel in die Pfanne geben. Rühren und braten, bis sich das Aroma schön in der Küche verteilt und nach ca. 30 Sekunden Kurkuma, Salz und Kartoffelschnitze hinzu geben. Die Temperatur auf niedrige Hitzezufuhr herunter schalten. Wieder kurz rühren, das Wasser über die Kartoffeln verteilen und einen Deckel auflegen. Für 20 Minuten abgedeckt dämpfen, dabei ab und an umrühren und bei Bedarf noch ein wenig Wasser zugeben.

Das Koriandergrün grob hacken und zusammen mit dem gehackten Chili über die Kartoffeln geben.

Was das Herbstherz begehrt: Gua Bao

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„Herbst!“ schreit es in mir. Laut und deutlich höre ich’s. Ja, der November ist da – in all seiner Pracht. Bisher hat er uns mit massig Spätherbst-Sonne verwöhnt, uns das erste Monats-Wochenende versüßt und uns noch einmal mit reichlich Wärme beschenkt. Doch so schön diese ersten Novembertage auch waren… der Melancholist in mir denkt an den wunderbaren Song der Guns ‚n’ Roses und weiß, dass dies wahrscheinlich eher nicht so bleiben wird und uns in den nächsten 4 Wochen noch mächtig trübe Tage bevorstehen könnten.

Zeit also, die Schwergeschütze an Soulfood auszupacken. Zeit es sich gemeinsam gemütlich zu machen und schon einmal fleißig in den Töpfen zu rühren, damit die Rezepte in 1-2 Wochen – dann, wenn wir es dringend brauchen werden – schon aus dem FF-heraus kommen, sich im Schlaf erledigen lassen und auch bei trübster Melancholie-Stimmung kein Problem mehr darstellen.

Wie gut, dass es ein neues Kochbuch gibt! Und zwar von Stevan Paul. „Auf die Hand“ heißt es und es beschäftigt sich mit allem Möglichen an Essen, das man an Imbissbuden weltweit ergattern und unterwegs essen kann. Kurzum: Es geht um Soulfood in allen erdenklichen Formen. Mein bisheriger Favorit daraus sind die „Gua Bao“: Gedämpfte Bun-Taschen, gefüllt mit in Sojasauce, Anis, Ingwer und Knoblauch geschmortem Schweinebauch und eingelegtem Pak Choi. Mit seinen asiatischen Aromen, die sich schon beim Zubereiten, wie eine mollig-wärmende Decke über die Wohnung legen, in jeder Jahreszeit Traum. Doch geradezu Seele streichelnd an einem nasskalt-düsterem Herbstabend… auch an einem faulen Sonntag super einfach nachzumachen. Soulfood vom Allerfeinsten!

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Lasst Euch nicht von der Zutatenliste abschrecken – es sieht komplizierter aus, als es ist!

Gua Bao nach „Auf die Hand“

Zutaten für 2 Portionen

Für das geschmorte Schweinefleisch

  • 400 g Schweinebauch ohne Schwarte
  • 1-2 EL Erdnussöl
  • 1 EL Rohrzucker
  • 1 Sternanis
  • 40 ml Reiswein (Mirin)
  • 75 ml Sojasauce
  • 100 ml Wasser
  • 1 daumengroßes Stück Ingwer
  • 1-2 Frühlingszwiebeln
  • 1 Knoblauchzehe

Für den eingelegten Pak Choi

  • 150-200 g Pak Choi (Senfkohl – wir haben aus Ermangelung Mangold genommen)
  • 1 Zwiebel
  • 1 Knoblauchzehe
  • 25 ml Reisessig
  • 50 ml Wasser

Für die Buns

  • 90 ml Wasser
  • 1 EL Öl
  • 1 EL Zucker
  • 5 g Frischhefe
  • 175 g Weizenmehl 550 (oder auch gewöhnliches 405er)

Zudem

  • 4 EL süße Chilisauce
  • frisches Grün(Frühlingszwiebeln, Koriander…)
  • etwas Sesam oder Furikake

Zubereitung

Den Schweinebauch in 2 cm große Stücke schneiden. Einen Topf mit dem Öl erhitzen, das Fleisch hinein geben und scharf anbraten. Nach 1 Minuten den Zucker dazu und für 1 weitere Minute unter rühren weiter braten und karamellisieren lassen. Dann Anis, Reiswein, Sojasauce und das Wasser hinzugeben. Einen Deckel auflegen und bei niedriger Hitze für 1 1/2 Stunden schmoren lassen. (Derweil mit den Buns und dem eingelegten Gemüse beginnen). Die Frühlingszwiebel in Ringe schneiden, den Ingwer und Knoblauch schälen und fein hacken. Zum Fleisch in den Topf geben und weitere 15 Minuten schmoren lassen.

Für das eingelegte Gemüse den Kohl in feine Streifen schneiden, Zwiebel und Knoblauch schälen und würfeln. Alles mit dem Essig und dem Wasser in einen Topf geben, aufkochen, für 2 Minuten köcheln lassen, dann vom Herd ziehen und auskalten lassen.

Alle Bun-Zutaten zu einem glatten, geschmeidigen Teig kneten und abgedeckt für 30-60 Minuten ruhen lassen. Den Teig in zwei Teile trennen und jeden etwa fingerdick ausrollen. Mit einem Tuch bedecken und weitere 15-30 Minuten ruhen lassen. Die Buns mit etwas Öl einpinseln und entweder jeweils zu einem Halbmond zusammen klappen oder offen weiter verarbeiten. Einen Topf mit großem Durchmesser mit 200 ml Wasser befüllen. Das Wasser zum Kochen bringen. Eine Kaffeetasse in den Topf stellen. Die Buns (wenn der Platz nicht ausreicht nacheinander) auf einen mit Backpapier belegten kleinen Teller setzen und in den Topf auf die Tasse stellen. Den Topfdeckel schließen und bei mittlerer Hitzezufuhr die Buns ca. 13 Minuten dämpfen. Dabei den Deckel unbedingt geschlossen lassen!

Die fertig gegarten Buns mit je 1 knappen EL Chilisauce bestreichen (offen gegarte Buns kann man wie ein Pita aufschneiden, so passt mehr hinein), dann mit Fleisch und Gemüse füllen und letztlich mit frischem Grün und Sesam garnieren.

Tipp: Übriges Gemüse kann man erneut aufkochen und einwecken – es lohnt sich also auch größere Portionen hiervon zu machen. 

Beeren-Margheritas

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Wenn der Tag ganz böse zu Dir war… dann schütte ihm einen Cocktail ins Gesicht. Oder trinke ihn lieber selbst. Wie Du magst! Am besten, Du lädst Dir dazu einen Haufen Freunde und viele liebe Menschen ein und lässt Dir von ihnen die düster-grauen Gedanken wieder bunt anmalen. Im Miteinander liegt das Glück.

Auch sonnendurchflutetes Obst kann nicht schaden; hat uns er Sommer durch den herrlichen Frühling doch mit reichlich Beeren beschenkt. Ein wenig davon in einem Cocktail machen bestimmt auch glücklich. Wärmende Sonne im Glas, ein leckerer Margherita mit lustigem Salzrand und die Lieblingsmenschen um einen herum. Was gibt es besseres im Leben?

Und immer schön daran denken: Teilen macht Freude! Also gibt man ein Gläschen ab. Oder zwei oder drei…

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Beeren-Margheritas mit Salzrand

Für 2 Gläser

  • 6 cl Tequila
  • 3 cl Grand Marnier oder Cointreau
  • 3 cl Beeren-Likör nach Wahl (ich: Erdbeer-Likör)
  • 1/2 Limette
  • 6-8 Eiswürfel
  • 1 TL Salz 
  • eventuell frische Kräuterzweige

Zubereitung

Die Limette auspressen. Das Salz über einem kleinen Teller klein reiben. Mit der ausgepressten Seite der Limette über die Ränder der Cocktailgläser streichen und diese somit befeuchten. Die Gläser kopfüber in das Salz stellen und etwas hin- und her bewegen, so dass der Rand ringsum etwas von den Kristallen abbekommt.

Den Limettensaft mit den restlichen Zutaten in einen Cocktail-Shaker geben, diesen gut verschließen und nun kräftig schütteln. Die Flüssigkeit auf beide Gläser verteilen, ebenso die Eiswürfel. Mit frischen Kräutern oder Limetten-Schnitzen garnieren und kalt genießen.

Dünn, knusprig, göttlich: Armenisches Fladenbrot zum World Bread Day 2014

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Nichts gibt es wohligeres als den betörenden Duft von frisch gebackenem Brot. Ist es dann noch selbst gemacht und kann man den Backgeruch im eigenen Heim erleben, ist das ein bisschen wie Wolke7. Fast zu leicht lässt sich dabei vergessen, dass wir Glück haben. Glück, genug zu Essen zu haben. Glück überhaupt essen zu können und dabei eventuell sogar noch Genuss verspüren können; und sei das Gericht noch so simpel.

Essen ist ein Grundbedürfnis. Neben genügend Wasser am Tag hält uns die Nahrung am Laufen, gibt uns Energie und sorgt dafür, dass wir überhaupt lebensfähig sind. Der heutige Weltnährungstag erinnert uns daran, dass genügend Lebensmittel zur Verfügung zu haben ein Privileg, und keinesfalls selbstverständlich, ist. Und er erinnert uns daran, dass noch viel Arbeit vor uns liegt, im Kampf gegen den Hunger. Hand in Hand mit dem Weltnährungtag kommt der World Bread Day. Ein von Zorra in die Welt gerufenes Projekt, das Blogger rund um den Globus dazu aufruft heute Brot zu backen und darüber zu berichten. 

Dieses Jahr habe ich mich für ein Brot entschieden, das innerhalb von 1-2 Stunden fertig ist und für dessen Zubereitung man weder Hefe noch Sauerteig-Kulturen benötigt, sondern schlicht das, was der Vorratsschrank ohnehin meist immer zu bieten hat: Mehl, Wasser, Öl und Salz. Simpelste Zutaten, die – garniert mit etwas Knoblauch, Zwiebel, Schwarzkümmel, Sesam und Mohn – nicht nur ein köstliches Brot ergeben, sondern auch für das Auge einen wahren Festschmaus darbieten. Das armenische Fladenbrot eignet sich hervorragend als Appetitanreger, knuspert sich aber auch als Snack oder Beilage wunderbar nebenbei weg. Das Brot zu backen ist eine reine Wonne: Der Duft frisch gebackenen Brotes vereint sich im Ofen mit den betörenden Aromen von Knoblauch und Olivenöl und kaum ist es aus dem Ofen, ist es auch schon fast weggefuttert. Das Brot ist herrlich knusprig und durch die vielen Samen voll gepackt mit mit nussigen Aromen. Schlicht: Ein Brot, von dem man nicht genug bekommen kann. Das Ziehen des Teiges erfordert ein wenig Fingerspitzengefühl und Übung, doch nach ein-zwei Versuchen hat man es schnell raus.

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Das Rezept ist aus dem Buch „Gutes Brot selber backen“ von Emmanuel Hadjiandreou; ich habe es wieder ganz leicht abgeändert.

Armenisches Fladenbrot

Zutaten für 2 Bleche

  • 1 1/2 EL Olivenöl
  • 1 1/2 EL Wasser
  • 1 kleine Knoblauchzehe
  • 80 g Weizenmehl 550er
  • 1/2 TL Salz
  • 25 ml Olivenöl (oder anderes Pflanzenöl)
  • 40 ml Wasser
  • 1/2 kleine Zwiebel
  • 1 TL Mohnsamen
  • 1 EL Schwarzkümmel
  • 1 EL Sesam

Zubereitung

Den Knoblauch schälen und fein hacken. Mit den 1 1/2 EL Olivenöl und Wasser vermischen und zum Aromatisieren beiseite stellen. Die Zwiebel schälen und in dünne Ringe schneiden. 

Das Mehl mit dem Salz, dem Olivenöl und dem Wasser vermischen. Die Schüssel abdecken und den Teig 10 Minuten ruhen lassen. Dann einmal rings herum zur Mitte hin falten. Wieder für 10 Minuten zum Ruhen abgedeckt stehen lassen, dann erneut falten und den Vorgang ein letztes Mal wiederholen. Zuletzt für 30 Minuten ruhen lassen.

Den Teig in zwei möglichst gleich große Portionen teilen. Den Ofen auf 200°C Ober- und Unterhitze vorheizen. Eine Portion des Teiges auf ein Backblech mit Backpapier legen, platt drücken und dann vorsichtig auseinander ziehen, bis er hauchdünn (beinahe durchsichtig) ist und knapp die Größe eines Backbleches erreicht hat. Reißt der Teig ein, ihn lieber für 10 weitere Minuten ruhen lassen und es dann erneut versuchen.

Den auseinander gezogenen Teig für weitere 10 Minuten ruhen lassen. Ihn anschließend mit einem scharfen Messer in kleine Stücke (6, 9 oder 12) schneiden und mit dem inzwischen durchgezogenen Knoblauchöl bestreichen. Die Hälfte der Zwiebeln, der Mohnsamen und des Schwarzkümmels bzw. Sesams darüber streuen und das Fladenbrot für 5-10 Minuten backen, bis es goldbraun und knusprig ist. Derweil schon die zweite Teigportion vorbereiten.

Die fertig gebackenen Fladenbrote auf einem Kuchengitter auskühlen lassen.

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“Romani ite domum!” Und danke für das Tiramisu!

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Spätestens nach Monty Pythons Meisterwerk „Das Leben des Brian“ und der darin so wunderbar inszenierten Diskussion der Volksfront von Judäa (nicht zu verwechseln mit der judäischen Volksfront!) kennen wir nicht nur mindestens einen lateinischen (und korrekt ausgeführten) Satz. Wir wissen auch, was die Römer alles Gutes für uns getan haben. Das Aquädukt, die sanitären Einrichtungen, die Bildung, der Wein, die Sicherheit… und, nicht zu vergessen, mein allergrößter Liebling unter den Desserts: das Tiramisu.

Während ich neulich noch großspurig behauptete: „Für Käse lasse ich jedes andere Dessert links liegen!“ (nachzuhören hier), muss ich heute ganz kleinlaut zugeben, dass dies nicht auf Tiramisu zutrifft. Denn eigentlich könnte ich eine Gruppe für anonyme Tiramisu-Monster aufmachen. Ob einfach ganz schlicht aus der Auflaufform, versteckt in einem Cupcake oder getarnt als essbare Erde im Blumentopf… ich esse sie alle. Erst recht in meiner Lieblings-Variante mit Espresso und gutem, schottischem Whisky. So schlimm ist mein Laster, dass dieses köstliche Dessert nur maximal zwei Mal im Jahr im Hause Zuckerwatte auf den Tisch kommen darf. Ansonsten würde ich mich nämlich jedes Mal so hoffnungslos daran überfressen, wie Augustus Gloop an der Schokolade, Pippin an den Lembas oder Hurley an seinen Chicken Wings.

Dennoch. Manchmal überkommt mich der Jieper und fällt mir aus dem Nichts heraus ganz übel und hinterhältig in den Rücken. So auch neulich. Das Problem: Das wäre dann schon das zweite Mal in diesem Jahr… und Weihnachten kommt erst noch! Das große Fest am Jahresende ohne Aussicht auf Tiramisu? Unmöglich! Wenn ich aber an den Zutaten drehe und den Espresso mit Matcha und den Whisky mit Limettensaft und Sake ersetze… Zählt das dann? Nö oder?

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Matcha-Tiramisu mit Limetten und Sake

Zutaten für 4 Portionen

  • 2 Eiweiß
  • 2 Eigelb
  • 2 EL Rohrzucker
  • 250 g Mascarpone
  • Saft von 2 Limetten
  • 1-2 TL Matchapulver zum Kochen
  • 70 ml Sake
  • 12-20 Löffelbisquits
  • weiteres Matchapulver zum Dekorieren

Zubereitung

Das Eiweiß steif schlagen. Das Eigelb mit dem Zucker vermischen und ebenfalls schlagen, bis das Eigelb blass und cremig wird. Die Mascarpone unter das Eigelb mischen und das Eiweiß in 2 Portionen unterheben.

Das Matchapulver mit dem Limettensaft in eine flache Schüssel geben und mit dem Chasen (dem Bambusbesen) so lange miteinander verrühren, bis keine Klümpchen mehr vorhanden sind. Den Sake unterrühren. Die Hälfte der Löffelbisquits ganz kurz von beiden Seiten in die Flüssigkeit tauchen und in eine Auflaufform (Maße ca. 20 x 15 cm) oder in 4 kleinen Förmchen dicht aneinander legen. Mit etwa der Hälfte der Mascarpone-Creme bedecken und das Ganze wiederholen.

Das Tiramisu abdecken und für mindestens 8 Stunden, am besten über Nacht, in den Kühlschrank stellen. Vor dem Servieren etwas weiteres Matchapulver darüber sieben.

Faules Ochsenschwanzragout mit Nudeln

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Wenn die Tage schon um 6 Uhr zu Ende sind, weil es draußen dunkel wird, die Blätter an den Bäumen Farbe bekennen und nach und nach zu Boden segeln und morgens schon der Nebel, wie eine kalte Decke, über dem Land liegt… kommt die Zeit des inneren Schweinehunds. Ganz heimlich, still und leise schleicht er sich in unsere Leben und sorgt dafür, dass selbst aus den aktivsten von uns regelrechte Couchpotatoes werden, die sich allabendlich faul unter einer kuschelweichen Decke verkriechen und sich mit einem Glas Wein zu einem gemütlichen Essen verabreden.

Schlimm nur, wenn der Schweinehund gleich so übel zuschlägt, dass einem auch fast die Lust auf das Kochen vergeht. Da lobe ich mir die Herbstküche, in all ihrer Einfachheit. Eine schlichte Pilzpfanne. Ein Topf Nudeln mit “irgendeiner Sauce”, die man vielleicht sogar idealerweise schon vor ein paar Wochen (damals, als es noch Sommer war), aus sonnenverwöhnten und ofengerösteten Tomaten eingekocht hat und nun nur noch aufwärmen und mit reichlich Pecorino aufpeppen braucht. Oder ein Schmorgericht mit viel Rotwein und Gewürzen, bei dem der Ofen die ganze Arbeit für einen tut und das auch nach einem Tag Durchziehen noch lecker, wenn nicht sogar noch besser schmeckt, als frisch.

Idealerweise passen auch hierzu Nudeln. Zum Glück!

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Ochsenschwanzragout mit Spiralnudeln

Zutaten für 2 Portionen

  • 450 g Ochsenschwanz in Scheiben
  • Salz und Pfeffer
  • 1 EL Mehl
  • 1 TL Butterschmalz
  • 2 Möhren, geschält und in Würfeln
  • 2 Zwiebeln, geschält und in Würfeln
  • 2 Stangen vom Staudensellerie, in groben Stücken
  • 1 Sternanis
  • 2 Wacholderbeeren
  • 2 Lorbeerblätter
  • 4 Zweige Thymian
  • 2 Zweige Rosmarin
  • 1/2 TL Pilzpulver (aus getrockneten, geriebenen Pilzen)
  • etwas frisch geriebene Muskatnuss
  • 400 ml Rotwein
  • 1 EL Butter
  • 50 ml Madeira
  • 250 g Band- oder Spiral-Nudeln (wir: die Spiraloni XXL von Albgold)

Zubereitung

Den Ofen auf 100°C Ober- und Unterhitze vorheizen. Die Ochsenschwanz-Stücke rings herum salzen und pfeffern, dann im Mehl wenden. Butterschmalz in einem kleinen, ofenfesten Topf erhitzen und das Fleisch darin rings herum anbraten (eventuell in mehreren Schüben). Das Fleisch heraus nehmen, das Gemüse und die Gewürze in den Topf geben und bei mittlerer Temperatur dünsten, bis die Zwiebeln glasig werden. Den Anis heraus fischen, dann alles mit dem Rotwein in zwei Zügen ablöschen und das Fleisch hinzu geben. Ist das Fleisch nicht vollständig bedeckt, die Sauce mit mehr Wein, Brühe oder Wasser aufgießen. Den Topfdeckel auflegen und für 6 Stunden in den Ofen schieben. Alle paar Stunden mal den Flüssigkeitsstand zu kontrollieren ist nicht falsch.

Das Fleisch aus dem Topf nehmen und die Sauce durch ein Sieb abgießen. Aufkochen, etwas einkochen lassen und/oder mit etwas Mehl abbinden. Die Butter, sowie den Madeira hinzu geben. Das Fleisch von den Knochen zupfen und in den Topf mit der Sauce geben. Ein letztes Mal kurz aufkochen und abschmecken. Die Nudeln nach Packungsanleitung al dente zubereiten, dann durch ein Sieb abgießen. Heiß und dampfend mit dem Ragout servieren.

Übrig gebliebene Sauce lässt sich übrigens hervorragend heiß in verschließbare Gläser abfüllen und für ein paar Tage im Kühlschrank aufheben. Wie war das nochmal mit den Nudeln und der Sauce, die man nur noch aufwärmen braucht? Genau!

Doppelmoral und Schokokekse

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Eigentlich möchte ich ja gelassen bleiben. Mich nicht aufregen. Mich nicht hervor tun. Nicht unbedingt den Kopf unten halten, aber möglichst immer alles relativ sehen. Abwägen. Und aus dem schwarz-weißen-Schubladen-Denken ausbrechen. Das Gesamtbild betrachten. Eigentlich…

Dennoch fällt es mir manchmal schwer. Erst neulich wieder. Man stelle sich vor: Ein ganz gewöhnliches Gespräch unter lieben Bekannten. Alltagsgeplänkel könnte man sagen. Gespräche über die Arbeit, das Wetter, das Wochenende. Und auf einmal fällt ein einziges, fast schon verächtlich ausgespucktes, Wort: Männer! Während mein Innerstes noch irritiert den Kopf schüttelt, erkennt ein anderer Teil von mir diesen Ton. Alarmanlagen mit ohrenbetäubenden Sirenen erklingen in Sekundenschnelle in meinen Ohren. „Jetzt bloß still sein! Nur nichts sagen…“ sagt eine Stimme in mir. „Bleib gaaanz ruhig!“. Wie eine Schallplatte in der Endlosschleife. Doch zugleich meldet sich eine zweite, sehr zornige, immer lauter werdende und auf Dauer kaum zu ignorierende Stimme in mir: „Warum eigentlich still sein? Warum nicht Partei ergreifen? Warum nicht zu dem stehen, woran Du glaubst?“

Während um mich herum zustimmende Ausrufe erklingen, laufen in meinem Kopf zeitgleich mehrere Filme der möglichen Zukunft ab: Wenn ich jetzt still bin, ist alles gut. Ich könnte stillschweigend lächeln, mich selbst dafür verachten, doch am Ende wäre alles rosarote Regenbogenwelt. Wir haben uns doch alle lieb. Wenn ich aber jetzt eingreife und sage: „Nicht alle Männer sind so.“ Dann hingegen beginnt es für mich richtig unangenehm zu werden. Auf einmal gelte ich als Männerverteidigerin. Stelle sich das einer vor! „Eine von denen“ höre ich sie förmlich stöhnen. Eine, die angeblich nicht für die Frauenrechte einsteht, denn „wie kann die nur!?“. Ist die Gruppe gemischt wird es erst recht gefährlich. Auf einmal werden die meisten still, während ich meine Wut heraus brülle. Und plötzlich sehe ich es, wie Gedankenwolken in einem SIMS-Spiel über den Köpfen meiner Freunde: „Feministin! Buhhhh!“

Feminismus ist ein schwieriges Thema (geworden). In letzter Zeit fühlt es sich immer weniger wie das an, wofür es eigentlich steht: Gleiche Rechte und Chancen für sowohl Männern als auch Frauen. Allerdings scheint sich der Begriff inzwischen als Synonym für die Sonderstellung der Frau bzw. der Nichtigmachung der Männer, wenn nicht gar für die Idee des Männerhasses, etabliert zu haben. Woran liegt das?

Viele Frauen scheinen zu denken, Männer seien „böse“. „Üble Machos“. Man solle sie alle meiden, denn sie seien doch „emotionslose Schweine“ – nicht zu vergessen „schwach, können sie doch keine Kinder zur Welt bringen“. Natürlich gibt es von dieser Medaille auch eine zweite Seite, werden wir Frauen ebenso oft verallgemeinert und als „zickige Tussen“, „heulsusige Hausfrauen mit nichts als Ärger“ oder „Blondinen, die nichts von Technik verstehen“ abgestempelt. 

Die Schubladen-Denkweisen beider Seiten macht mich unruhig. Warum diese Verallgemeinerung? Wann hören wir damit auf uns als Angehörige zweier unterschiedlichen Seiten zu betrachten und beginnen endlich damit, im Gegenüber einfach nur einen anderen Menschen zu sehen, der fühlt, denkt und (genau so wie wir!) sein eigenes Sorgen-Päckchen zu tragen hat? Wann lassen wir davon ab, den Feminismus zu beschimpfen bzw. ihn dafür einzusetzen uns Sonderrechte heraus zu nehmen? Machen wir uns damit nicht wieder selber schwach und erniedrigen uns dadurch selbst? Wir Frauen sind nicht geringer als Männer. Sind wir deshalb „besonders“ oder gar „besser“? Ich finde keineswegs. Wir sind einfach anders. Männer aber auch! Und was können sie uns wunderbar in den Arm nehmen!

Erst letzte Woche hat die wunderbare Emma Watson vor der UN eine Rede zum Thema „Feminismus“ gehalten und mich dazu bewegt auch hier darüber zu schreiben.

Bildquelle: unsplash

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Warum wird uns Frauen anerzogen, wir müssen emotional sein, nachgiebig, selbstlos-fürsorglich und zart, da wir sonst ja nicht mehr „gütig“ seien, wenn wir als Erwachsene dazu aufgefordert werden, mehr für uns selber einstehen? Warum müssen Männer konstant stark und dominant in ihrer Rolle als Versorger sein, wenn wir zugleich sagen, dass ersteres gar nicht stimme, zweiteres ganz schrecklich böse sei und drittens bitte auch uns das Recht zur Familienversorgung zustehe? Warum dürfen Männer nicht ihre Gefühle zeigen, genau wie wir Frauen, ohne sofort als “Memme” zu gelten? Warum dürfen wir alle nicht einfach so sein, wie wir sind und sein wollen – ohne uns in irgendwelche Vorstellungen verbiegen zu müssen? Es ist diese Doppelmoral, die mich unendlich stört. Haben wir denn keinen Respekt voreinander? Oder liegt es vielleicht am Respekt vor uns selbst?

Wann kann ich endlich wieder in einem Gespräch über Männer und Frauen einfach einmal Partei ergreifen, ohne sofort das Gefühl zu haben nun ins Fettnäpfchen getreten zu sein? Wenn ich mit anderen Frauen über den Alltag rede und meinen Mann vor oben genannten Klischee-Stempeln verteidige, möchte ich keine bösen Blicke bekommen, die mich als „eine von DENEN“ strafen. Genau so wenig möchte ich mich hervor tun in meiner ach so großen Allmächtigkeit und Güte als Frau, wenn ich am Wochenende mit Freude einen Kuchen für meinen Mann gebacken habe oder dabei die Butter im Kühlschrank mal wieder als erste gefunden habe. Und das nur, weil ich zufällig mit einem X-Chromosom mehr auf die Welt gekommen bin.

Ich möchte im Urlaub meinen Mann herum kutschieren dürfen, damit er die Landschaft anschauen kann, während ich den Spaß meines Lebens habe, ohne wieder zu Hause von der fassungslosen Frage konfrontiert zu werden, warum ich mir das nur angetan habe und ob ich den Urlaub so überhaupt genießen konnte. Ich möchte zu Hause meine Socken gewaschen bekommen, einfach so, und mich trotzdem darüber freuen dürfen. Denn wer sagt schon, dass dies selbstverständlich sei? Ich möchte zusammen mit meinem Lieblingsmenschen die Wocheneinkäufe erledigen, weil es alleine nichtmal halb so schön ist, und gemeinsam vor dem Gemüseregal entscheiden, worauf wir denn heute Abend Lust haben. Ich möchte nicht mitleidig die Schulter geklopft bekommen, weil ich mit meinen knapp 30 Jahren „keine Mami bin“. Ich möchte unser gemeinsames (Abend-)Essen kochen – nicht weil ich muss, sondern weil ich Hunger habe, groß genug bin, selbst etwas daran zu ändern und mir das Kochen Spaß macht. Ich möchte meinem Mann Blumen kaufen, wenn mir danach ist, ohne schräg angeguckt zu werden, weil man „Männern doch keine Blumen schenkt“. Genau so wenig mag ich mich rechtfertigen müssen, wenn ich in meinem Lieblingskleid vor die Tür gehe, einfach weil ich Lust drauf habe. Ich möchte für mich selbst entscheiden, wie ich mein Leben lebe.

Und ich möchte zusammen mit meinem Mann am Wochenende in der Küche stehen und diese Schokokekse backen. Wunderbar köstliche, dunkle, mit Nüssen voll gepackte Schokokekse, die uns beide glücklich machen. Egal ob Mann oder Frau. 

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Das Rezept habe ich mir von Nigel Slater abgeguckt und ein kleines Bisschen abgeändert – laut ihm passen zu diesen Keksen spätsommerliche, dunkelrote Beeren. Und er hat natürlich Recht.

Dunkle Schokokekse mit Pistazien und Haselnüssen

Zutaten für ca. 2 Bleche

  • 200 g Bitterschokolade (mindestens 70% Kakaoanteil)
  • 200 g Zucker
  • 1 EL Vanillezucker
  • 75 g Butter
  • 1 große Prise Meersalz
  • 2 Eier
  • 150 g Mehl
  • 25 g gemahlene Nüsse (ich: Haselnüsse)
  • 25 g gehackte Mandeln (ich: Pistazien)
  • 1/4 TL Backpulver

Zubereitung

Den Backofen auf 180°C Ober- und Unterhitze vorheizen. Die Schokolade in einer Schüssel auf einem Wasserbad zum Schmelzen bringen. Nicht umrühren, aber ab und an die noch festen Schokostückchen in die bereits flüssige Schokomasse tunken.

Nebenbei die Butter mit dem Zucker und dem Vanillezucker schaumig schlagen. Nach und nach die Eier hinzu geben und kurz unterrühren. Die geschmolzene Schokolade zur Masse geben, verrühren. Das Mehl mit den Nüssen (wer mag, röstet sie vorher kurz in einer Pfanne an) und dem Backpulver vermischen und unter den Teig kneten.

Mit einem Esslöffel Portionen vom Teig abstechen und auf ein mit Backpapier belegtes Backblech geben. Mit reichlich Abstand voneinander setzen und die Teighäufchen auch nicht platt drücken – im Ofen laufen sie von selbst auseinander.

Je nach Größe für 8-12 Minuten backen (gehäufte EL-Portionen brauchen ca. 10-12 Minuten, kleinere Kekse etwas weniger). Die fertigen Kekse sind weich und sollten nach einer kurzen Abkühlzeit auf dem Backblech auf einem Kuchengitter komplett auskühlen.

“Autumn is coming”: Rote-Beete-Weizensauerteig-Brot

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Im Sommer lässt sich fast zu einfach die wohltuende Wirkung eines langlebigen Sauerteigbrotes in den Hintergrund zu verdrängen. Oft muss es schnell gehen und unkompliziert-mild schmecken soll es auch. Immerhin wollen wir unseren feinfühligen Sommergaumen nicht mit schwer-würzigen Aromen aus Roggensauerteig überfordern. Zu gemütlich wäre es außerdem. Nicht spritzig genug. Zu schwer, zu gemächlich. Sobald der Kalender aber auf den Herbst umschwenkt, können wir schon allmählich wieder daran denken, in unserem Gedächtnis nach der Sache mit dem Sauerteig (und seiner Umerziehung) zu kramen. Denn so langsam wird es wieder Zeit für die großen, rustikalen Brote mit ihren säuerlich-süßen Aromen.

Für Roggenbrote, mit krachender, dicker Kruste voller Röstaromen ist es vielleicht wirklich noch zu früh. Zu sehr würden sie die Geschmackskeule schwingen und nach einem halben Jahr milder Brote den Gaumen überreizen. Also greife ich auf Tyrion - meinen Weizensauerteig – zurück, der noch nicht ganz so viel geschmackliche Power hat, wenn auch schon an den großen Bruder erinnert und uns langsam auf dessen schwere Würze vorbereitet.

Das Brot schließlich mit Roter Beete zu verfeinern ist allein schon von der Farbe her eine schöne Idee, bedeutet dies nämlich eine sexy, rot-golden marmorierte Krume, die einen schon beim Anblick in die Knie zwingt. Doch auch geschmacklich gibt es einiges her, erinnert es nämlich daran, dass wir mitten im erntereichen Herbst stecken. Mit all seinen leuchtenden Farben, der Fülle an Aromen und der geradzu lebendigen Erdigkeit, die in der Luft liegt, bevor sich die Natur allmählich darauf vorbereitet sich in ihr Schneckenhaus der Winterruhe zurückzuziehen.

Das Ergebnis ist ein herbstlich-duftendes Brot mit relativ dünner, daher recht weicher und dennoch knusprigen, Kruste. Innen ist es von wunderschönen Blasen in einer traumhaft-bunten, sowie saftig-lockeren Krume durchzogen und passt hervorragend zu herzhaften Belägen, wie einem würzig-salzigen Käse oder einer guten Scheibe Schinken. Auch geröstet ist es fein und lässt sich so beispielsweise famos zu einem Sandwich der besonderen Art verarbeiten.

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Das Rezept habe ich im Buch “Gutes Brot selber backen” von Emmanuel Hadjiandreou gefunden und leicht abgeändert.

Rote-Beete-Weizensauerteig-Brot

Zutaten für 1 Brot

Für den Sauerteig:

  • 11 g “Tyrion” – Anstellgut vom Weizensauer
  • 110 g Weizenmehl, 550
  • 110 ml Wasser

Für den Hauptteig:

  • 275 g Weizenmehl, 550
  • 9 g Salz
  • 3-5 g frische Hefe (optional – ich habe sie verwendet, da Tyrion nach der Sommerpause noch etwas träge war)
  • 200 ml Wasser
  • 2 mittelgroße Knollen Rote Beete (ca. 150 g)

Zubereitung

Am Tag vor dem Backen den Sauerteig ansetzen. Dazu das Anstellgut mit dem Mehl und dem Wasser in einem luftdicht verschließbaren Behälter verrühren, abdecken und für 20 Stunden reifen lassen.

Am Backtag den Sauerteig (vorher 1-2 TL abnehmen und in einem Schraubglas zurück in den Kühlschrank stellen – das ist das Anstellgut für das nächste Brot) mit dem Weizenmehl, dem Wasser, dem Salz und der zerbröselten Hefe für 5 Minuten auf niedrigster Stufe der Küchenmaschine zu einem geschmeidigen Teig kneten.

Die Rote Beete putzen und grob reiben, zum fertig gekneteten Teig geben und 1 weitere Minute kneten. Die Rührschüssel abdecken und den Teig für insgesamt 90 Minuten ruhen lassen. Während der ersten halben Stunde den Teig alle 10 Minuten (also 3 Mal) mit einer Teigkarte einmal rings herum, zur Schüsselmitte hin falten bzw. kneten.

Den Teig anschließend auf eine gut bemehlte Arbeitsfläche geben, rund formen (der Teig ist sehr weich und bildet eher eine Art dicken Fladen statt einer Kugel) und in ein gut bemehltes Gärkörbchen geben. Den Teig darin für 3 Stunden ruhen lassen. Ich decke ihn dabei immer mit einem Bäckerleinen ab, ein bemehltes Küchentuch oder ein geölter Topfdeckel geht auch. Hauptsache, der Teig trocknet nicht aus.

Den Backofen auf 250°C Ober- und Unterhitze vorheizen. Den Brotlaib auf ein mit Backpapier belegtes Backblech oder den mit Mehl bestäubten Backstein stürzen und mit etwas Dampf in den Ofen geben. Die Temperatur auf 230°C herunter schalten. Für 35-45 Minuten backen.

Zeitstrahl zur Planung des Backtages

Tag 1, abends: 1 Tag vor dem Backtag

Den Sauerteig ansetzen und abgedeckt ruhen lassen.

Tag 2, nachmittags bis abends: Backtag!

Den Hauptteig kneten, verarbeiten und backen.

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